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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
mitunter in ähnlicher Weise schmückte, wich man von der spanischen Form allmälig im Einzelnen insofern ab, als man ihn mit breitererKrempe versah und diese gelegentlich an einer Seite (gewöhnlich reeemporklappte. — Die Handschuhe (von Leder, Wolle oder Seide), einfacoder zierlich benäht, mitunter auch (auf den Knöcheln) geschlitzt, trugman unterschiedlich gefärbt, jedoch gemeiniglich hell, selbst weiss. hlanbezog sie zum Theil aus Spanien ; auch blieben die hier gefertigten, ihrerFeinheit wegen, zumeist geschätzt.
In der Haartracht erhielt sich im Ganzen die bereits unter L wwig XI. aufgenommene Form des Rundschnitts nebst vorherrschenderBartlosigkeit (S. 118) bis in den Beginn der zwanziger Jahre. Vonan wurde es üblicher das Haupthaar äusserst kurz zu schceren, den B adagegen wachsen zu lassen, ihn rundlich oder spitz zuzustutzen. L’ eVeranlassung dazu soll nach einer späteren, freilich wenig verbürgte”Nachricht, eine Verletzung gegeben haben, welche (um 1521) Fran» 'bei einem Spiel durch einen grossen Schneeball erlitt, den der Kapi tanDe Lorges, Seigneur de Montgommery fahrlässig gegen ihn schleuderte-„Die Verletzung machte den Schnitt des königlichen Haars nothwendig»zum Ersatz begann nun der König den Bart sorgfältig zu pflegen. Lnalle Vornehmen folgten dem nach.“ Auch diese Mode kam alsbald amenglischen Hofe in Aufnahme. Indessen scheint es, dass man sie l |iernicht mit der gleichen Strenge befolgte, sondern daneben willkürlich f° rtfuhr den Bart entweder zu rasiren oder bald voller und rundlicher, hakürzer und spitziger zu gestalten (Fig. 213- Fig. 214; vgl. Fig. 21'2)-
Die weibliche Kleidung wechselte in der Form im Allgemein® 11noch langsamer. Die freiere, dem Körper gemässere Durchbildung, ^ elc ,sie unter Karl VIII . und seinen nächsten Nachfolgern unter besondere 1Mitwirkung der Gemahlin Ludwigs XII., der Königin Anna von
tagne, allmälig wieder gewonnen hatte (S. 118 ff.), war bei der vornehmen
Damenwelt in dem Grade beliebt geworden, dass sie schwer davon Astand nahm (Fig. 215 a—cj. Sie blieb dieser Form auch noch nebender bald aufkommenden spanischen Mode bis gegen den Schluss ^
dreissiger Jahre vereinzelt ohne Veränderung getreu, ja suchte sie
auch
noch später, als man sich ihr anstandshalber nicht mehr zu entziehevermochte, dennoch mindestens einigen Besonderheiten, an denenmit Vorliebe hing, thunlichst unterzuordnen. Es fand dies in Frankre*^in der Franz I. angebornen Galanterie eine wesentliche Stütze, da er ^Damen in ihren Neigungen nicht nur in keiner Weise beschränkte,mehr ihnen entgegenkam. Keine der Bestimmungen, welche er gden Aufwand erliess, war gegen das weibliche Geschlecht gerichtet;betrafen einzig die Männer. Ja der König ging noch weiter. E* j= estattete sogar wider alle bestehende Ordnung den Wittwen, sich vtl