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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

leicht nach altrömischer Weise bekleidet, silbern, nur Haar und Gewandungvergoldet. Sie trägt auf dem Haupt und mit beiden Händen ein gleichs 5 ®Kelch-förmiges Gefass, auf welchem eine Schaale rnht, aus deren Mitte emüberaus reich behandeltes Zierstück gerad emporsteigt. Das Gefäss ist zunächst da, wo es dem Kopfe aufliegt, mit geflügelten Engelköpfchen g eschmückt, darüber etwa bis zur Hälfte von den zierlichsten Blumen und Blättern gewissermassen wie dicht umrankt, oberhalb gleichwie ein Korb meflechtwerkartig durchgebildet, umzogen von silbernen Blüthenstengeln,R<> seI1knospen, Maienblüthen, Wiesenblumen, Kräutern, Beeren, und mit drei fr e *herausgearbeiteten schwebenden Genien verziert. Sie helfen mit die au»Kränzen, Figuren und mancherlei Zierden gebildete Unterlage der Schastützen, welche gleichfalls reich umrandet und oben rings herum n*minder mit den vielfältigsten Blumen, doch ausserdem mit dazwischen g eordneten Eidechsen und Schlangen dicht bekrönt ist. Auch innernaaufs reichste geschmückt, sechsfach schildförmig gebuckelt, bedeckt 'Füllhörnern mit Früchten, geflügelten Köpfen, Thierköpfen und mancher ephantastischen Figuren, birgt sie inmitten ein Fussgestell, auf wclcdrei auf Eidechsen sitzende Frauen mit Bocksfüssen ruhen. ^Figuren, durchweg vergoldet, ragen bis zum Rand der Schaale.unterstützen mit ihren Köpfen das frei aufsteigende mittlere Ziers u ieine goldene, überall mit Zierrathen bedeckte Vase, auS der sich

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Strauss von Glockenblumen, Lilien und Möhrenblättern, überhauptganze Welt von Blumen in mattem Silber erhebt von zierlichster,tester Durchbildung. Hie und da auf den Umrandungen angebralateinische Sprüche, deuten zugleich auf den Gedanken, den dcrK u

dem Werke zu Grunde legte. Muscheln, die als Schaustucdienten. mit goldeneu. «.:»-

_ icgie. Muscfteln, die als Sch.

dienten, mit goldenem oder silbernem, vergoldetem, mehr oder 1111reich und kunstvoll behandeltem Fussgestell, Henkeln und Umfassunghaben sich, wie vorzugsweise derartig ausgestattetePerlenmj a fürNautilusschnecken, mehrere unversehrt erhalten. 1 Zum Schmuckwählte man fast ausschliesslich, ganz dem Gegenstände entspi' e tMeeresgötter, Tritonen, Najaden, Delphine und andere Seethiere,von fabelhafter Gestaltung, wie auch hinsichtlich des KJeinornain®hauptsächlich den sonstigen Erzeugnissen des Meers entlehnte, oft "derliehe Formen. Auch pflegte man gelegentlich irgend eine dahinliehe mythologische Figur, wie Thetis , Neptun u. a. in die OeffnungMuschel zu setzen, gleichwie wenn sie sich daraus erhöbe. ~^ on j.ringsum bildnerisch durchgeführten figürlichen und an

1 Abbildgn. bei J. v. Hefner-AHeneck. Geräthschaften des chriS ^g_

alters, I. Taf. 70; Derselbe. Trachten des christl. Mittelalters. ID- p a y8-

D van der Kellen. Neerlands Oudheden. Le moyen äge etc. dans e9Bas. PI. 50.