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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

allein von Faience,iu vornehmen Haushaltungen bisweilen zu hundertenbestanden (S. 867). Sonst aber beliebte man auch sie fortgesetzt vonMetall, und etwa seit den siebenziger Jahren, häufiger ausserdem vonGestein in wechselnder Form und Ausstattung. Mit zu den vielen Kostbarkeiten der Gabrielle dEstrees zahlten (um' 1599) auchein grosses(auf Rädern) bewegliches drajouer, besetzt mit Lasurstein und Krysta ,unten (der Fuss) eine Schildkröte; fernersechs Tassen von vergol etem Silber, oder drajouers, von gleicher Grösse, und ein grossesdtajouer von Bergkrystall, länglich rund, mit einem Deckel und Fuss vonemaillirtem Golde, reich ausgestattet mit Edelsteinen.

In Betreff der Löffel, Messer und Gabeln fand, ausser in derVerzierungsform, kaum eine Veränderung statt; so auch in der Ver-wendung der Gabeln, daran man sich nur schwer zu gewöhnen ver-mochte (vergl. S. 439). Selbst noch in derhie des Hermaphrodit#(um 1589) ward der am Hofe Heinrichs 111. eingeführte Gebrauch derselben als weibische Ziererei verspottet:Zum ersten berührten sie dasFleisch niemals mit den Händen, sondern mit Gabeln und führten e »mit diesen zu Munde, wobei sie ihren Hals und Körper über die Sehushin ausstreckten. Auch ualnnen sie den Salat mit Gabeln, denn in diesem Lande ist verboten das Fleisch mit den Händen zu fassen, und wieschwierig es auch sei auf solche Weise etwas zu nehmen, liebtendoch bei weitem mehr, dass dieses zackige Ding, als dass ihre 1 in£° rI1den Mund berühre. Im Uebrigen besassen jetzt Vornehme doch sC *^häufiger zwischen sechs und zwölf Gabeln, gewöhnlich von Silberreich verziert. 8 Als es unter den höchsten Ständen am SchlussJahrhunderts üblicher wurde, sich, nächst den Löffeln, auch derund der Gabeln zu bedienen, knüpfte das Kunsthandwerk daran an 11fertigte zu ihrer Verwahrung und Aufstellung eigene Aufsätze, zU ' vel ,len von ebenso seltsamer als kostbarer Beschaffenheit. Erwähntunter anderem (um 1599)ein Felsen, umfasst von Korallenzweige 11 ,Perlenmuscheln, am Ende derselben je (nachdem) ein Messer, ein L°und eine Gabel, so, als drei Stück zusammen, ein Dutzend, 11,1im Ganzen drei Dutzend. Der Fels dient, wenn man es will»

1 M. de Laborde a. a. O S. 256. . _

2Auch in England wurden die Tischgabeln sehr spät erst g e ;se»als im Jahre 1608 der englische Sonderling Thomas Coryate auf s0inen nur beiauch Italien besuchte, erregten die Tischgabeln als etwas Neues nicht D

ihm selbst besondere Aufmerksamkeit, sondern seine Landsleute legten ibei seiner Zurückkunft nach England spottweise den Namen Gabelfüh re V ^ flSSfer) bei, weil es für sie ein wesentlicher Gegenstand der Verwunderung ' wa g.er die italienische Sitte, Gabeln bei Tische zu führen, in der Hein> fttbar zu machen suchte. F. Vo ge L Geschichte der denkwürdigsten Erfindung(15. Der Gebrauch der Gabeln beim Essen ) S. 417 ff.