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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.

doppelt, da sie in diesem Lande nicht unter einer nur einfachen geviertenDecke schlafen konnten. Ueber dem Bett lag eine grosse Ueberdeckcvon grünem geschlagenem Sammt, überhäuft mit geschlagnem (getriebnemFlitter- oder Rauschgold ( clinquant ), welches ein wunderbares Geheimnis»(secret hicroglifique) dieses Landes ausmachte; sie schleppte einen Fus»vom Roden und darunter zeigte sich die Unterlage von gleichem Stob(u. s. w.). Zwei Kopfkissen von Carmesinseide unterstützten die Anneund den Sitz der nur halbbekleideten Person. Unter dem Bette erblickteman einen grossen Fusssehemel (? marrhepied), dahinter (ä la rue-1starke Sessel von gleichem Schmuck als das Bette und ausgestattet mitderselben Sorgfalt. Die Wiegen folgten in Form und VerzierungBettgestellen, nur dass sie nach wie vor lediglich aus der Bettstatt n ^Wiegefüssen bestanden; doch ward es unter den Vornehmen nach ^Mitte des Jahrhunderts üblich auch sie mit Umhängen oder vielmehreiner (Doppel-) Gardine zu versehen.

Das Be 1 eu ch tungsgerät h gab in seiner VerschiedenheitKronenleuchter, Hängelampen, Lichtständer, Fackelhalter, Laternen m ;vielfältigst Gelegenheit zur Verwendung antikisirender Formen, ^man sich um so freier zu bewegen hatte, als es, mit Ausnahme(Marmor-) Candelaber u. dergl., an altrömischcn Vorbildern gerade <agänzlich fehlte. Für die Gestaltung der Träger von Kdrzcn, in Vcrcimgung mehrerer zu einerKrone oder einzeln, alsWandleuchte »boten sich allerlei Figuren in tragender Stellung, ganz oder zur ^schwebend oder kauernd, Genien, Kinder oder Delphine, SalamaiDrachen u. drgl., verbunden durch Laub- und Arabeskenwerk, als 'züglich geeignet dar; ingleichem für Kronenleuchter eine Anordnungches Schmucks zu einem sich im Rund aufspitzenden Ganzen-Hängelampen konnten die mannigfach wechselnden Vasenformennur leichter Umbildung, und ähnliche Ziergestaltungen in entspreder Vertheilnng, nebst Kettenwerk von beliebiger Gliederung,

(Fig. 195), während für grosse Standleuchter( Candelaber ), F a cträger, und kleinere Lichtständer oderLeuchter'*' die von jjprofilirten (unterschiedlich aus- und eingebauchten) verzierten Fussg® 8 ,aufsteigende Säule, mit wechselndem Beiwerk, als zumeist maas . S ^gj se nbetrachtet werden musste. Mancherlei Ausgezeichnetes der Art mund in Bronzeguss, allerdings vorwiegend zu kirchlichem Gebrau > ^vor allem in Italien erhalten. 1 Besonders kunstvoll durchgebil^®^ nzugleich ein treffliches Beispiel für die Behandlung von gD )SS ^ e ,Ständern überhaupt, sind die auf dem Marcusplatz zu Venedig ^findlichen bronzenen Fahnenhalter (Fig. 343, vergl. Fig & '

1 Vergl. F. Kugler. Geschichte der Baukunst IV. S. 249 ff-