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II. Das Kostüm des 16. Jahrhunderts.
mit runden, metallnen Schellen, artete dann aber eben mit der Verman-nigfachung des Geriemsels, um so mehr da man die Schellen inzwischenbedeutend verkleinerte, zu äusserster Uebertreibung fjus. Noch kam da-zu gelegentlich ein Aufwand in metallnen Beschlägen, farbigen Umhäng-sein und bunten Federbüschen, welche letzteren ihre Stelle gemeiniglichinmitten des Kopfes, zwischen den Ohren, bisweilen auch ausserdem selbstüber dem Ansatz des Schweifs, der aufgebunden zu werden pflegte» er-hielten. „Im Winter“ — schrieb A. Orelli in Betreff der Züricher (S. 624)— „ist eine fast allgemeine Belustigung erwachsener Junggesellen, unjunger Ehemänner und Frauen zu Nacht an gähen Gassen auf kleinenSchlitten zu fahren, welche mit Schellen und vielen eisernen Bingen be-hängt, ein lautes Getöse machen, das durch Lachen und Jauchzen oft biszum tobenden Lärm steigt, sonst bis nach Mitternacht dauerte, nun aberder Ruhe der Alten wegen bis um neun Uhr eingeschränkt ist.“
Die Wägen zur Beförderung von Gegenständen wurden h inelhalb ihrer sehr verschiedenen Grösse ebenfalls, je nach Erforderniss, umVieles zweckmässiger. Im Ganzen allerdings bewahrten sie wohl dasGepräge von leichteren und schwerfälligeren Karren mit und ohne Obergestell, doch ward bei den vierrädrigen die vordere Achse nun überhaupstets beweglich, um einen Mittelpflock drehbar, eingerichtet, zudemeigentliche Boden zur Aufnahme von Lasten durch mehrfache, gegh e( ^ erteDoppelbalken verstärkt, auch die Umrandung der Räder jetzt ohne Ausnähme mit starkem Eisen umschmiedet. Schon bald nach Beging desJahrhunderts nahm die Mannigfaltigkeit gerade dieser Wägen bedeu eizu, und nach Verlauf von nur wenigen Jahrzehnten gab es nächst zareich kleineren, zwei- und vierrädrigen Karren, vielfältig umfangre 1Fuhrwerke in Gestaltung und Ausrüstung bereits ganz ähnlich den heutigen schweren Leiter-, Brauer-, Fracht-Wägen u. a. m. Im Grunde g enommen vervollkommten sich alle diese Fuhrwerke, mindesten il ,rcnZwecken nach, bei weitem schneller als die Kutschen, da manvor allem für sie als nothwendige Nützlichkeitsgeräthe die Fortscm
der Mechanik zu verwerthen bemüht blieb. So unter anderem e r
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der Zimmermann Georg Weber (gest. 1567) in Nürnberg 1 „einengen mit sechs Bädern, auf welchem man vier und zwanzig Quader:hat führen können.“
Die Sänften dauerten ziemlich gleichartig fort (S. 499); um s° ^schiedener, als sich die Kutschen nur sehr langsam verbreiteten,äussertesich an ihnen ein Wechsel fast lediglich in der Ausstattung»darin eben nur in sofern, als sie den Wandlungen des Zeitgesch® ^unterlag. Nebenher tauchte gleich anfänglich eine Art wirklicher °
, 1 Johann Neudörffers Nachrichten etc. S. 23 ff.