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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche Uebersieht.

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dagegen erhoben. Man hörte sie nicht, oder wo man wirklich versuchte ^ihnen zu folgen, zeigte sich nur zu klar, dass es zu einer Besserung zuspät sei. i)i e Entvölkerung nahm beständig zu. Der Mittelstand vorallem schwand dahin-, bald gab es nur noch Reiche und Arme. Die Zü-gellosigkeit griff tiefer um sich, mit ihr die Entsittlichung. Selbst Philipp,°bschon vom täuschenden Glanze seines Königthums umgeben, vermochtes 'ck dem nicht mein- zu verschliessen. Aber da er nun auch selber, kurzv °r seinem Tode anordnete, über die Mittel nachzuforschen wie Dem zuhelfen sei, fanden sich der Schäden so viele und die Mittel, wie Be- sehränkung des Hofaufwands, gerechte Aemterverleihung, Verminderungder Möncherei, bessere Leitung des Ausscnhandels, der inneren Ver-waltung u . s. f., so wenig durchführbar, dass es wesentlich bei Be-ra thungcn blieb. Auch wie es sieh hiernach Philipp?!' (1021 1Cj(>)

n, ' ,t allem Eifer angelegen sein liess, den letzten Bestrebungen seinesVorgängers nachdrücklich Folge zu geben, und wie wirksam auch siehhierin sein Rath, der Herzog von Olivarez bethütigte, ward doch auchdadurch kaum einiges erreicht; denn dem Gcsammtübel gegenüber ver-lor es sich wie ein Tropfen im Sande. In das Unglück einmal lunem-? e wöhnt, hatte sich der Blick verkürzt. Nicht mehr fähig die eigent-'iehen Quellen des Unheils zu erspähen, suchte man sie nebenher, und'erharrte einseitig dem Ucbel durch Abwehr von Geiingfügigkeiten,durch beschränkende Aufwandgesetze, die überdies eher zum Naclitlieilgereichten, und andere vielmehr schädliche Anordnungen zu begegnen.

kräftiger Fortführung der Kriege, wie selbst zur Sicherung des eigenenSitzes, fehlte es zunehmend an Mitteln. Der Kampf in den Nieder-lmden all e i n ] 1!lU e sie nahezu erschöpft. Die Länderverluste mehrten sich* ht >e dass die Krone noch auf Ersatz zu rechnen vermochte. Die Ko-onio >', zum Tlieil verloren, lagen darnieder. Und während man sich m' 3en Verlust von Portugal (um 1640) fast widerstandslos fügen musste,Crh( >W.n sich in eben dem Jahr, zu den fortdauernden Unruhen in Neapel ' lnd Sici He, ,1ns bedrückte Cutalonicn, Navarra und Aragonien zu einemWenkampfe, der erst nach zwölf Jahren endete. Bei alledem fuhr diefort, in ängstlicher Wahrung ihrer Weihe und ihres weltlichenganzes ungeschmälert zu vergeuden. Als sie nach dem 'lode Pnhpps«. seinen minderjährigen Sohn Karl 11. (Ws H00) fiel, hatte auch? le Vinanzzerrüttung ihren Gipfel erreicht. Die Länder Verluste, nun1,au Ptsachlich im Kriege mit Frankreich , währten fort, und was etwan , 0cl > au vernichten war, wurde unter der Vormundschaft seiner MutterAnn a von Oestreich, durch den von ihr begünstigten Jesuiten hathardv °llzogcn. Dass sich der König endlich (mn 1676) zu verselbständigenSUdlt e, auch in Juan dAustria eine Kraft fand, der es gelang die Wirr-,USäG wenigstens einigermassen aufzuhalten, blieb bei dem baldigen Tod