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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
des letzteren (1679), und der abermaligen Erhebung Annas von Oest-reich, eben, auch nur ein schwacher Lichtblick. Die wenige Ordnungwar bald zerstört, und in dem dauernden Kriege mit Frankreich häuftensich die Bedrängnisse. Selbst der Schein war nicht mehr zu wahren, diepolitische Ohnmacht nicht zu verbergen. Auch der König erkanntedies. Und da er ohne leibliche Erben war, beabsichtigte er seine Kronezwar auf Oestreich zu übertragen, verfügte jedoch im Testamente, durchäussere Verhältnisse veranlasst, zu Gunsten seines Feindes, Frankreichs .
Nach den Vorgängen unter Philipp II. (seit 1556) konnten dieseZustände, als eben nur die Folge der von ihm gefestigten Grundsätze, ,auf das Aussenleben und seine Form kaum noch einigen Eindruck machen.Beides, wie es bereits während seiner Herrschaft mit der Volkstüm-lichkeit selber verknöcherte, verblieb im Allgemeinen ohne wesentlicheWandlung. Das Alle gleich fest umschlingende Band eines einheitlichenGlaubens erhielt im Volke das Gefühl der Zusammengehörigkeit, verliehihm Kraft und Zähigkeit. Sein versteifter Ernst, sein hochfahrenderStolz und seine Anschauung von Würde, trieben es unwillkürlich an,dem Schicksale standhaft zu begegnen. Je mehr sich Unglück und Elenhäuften, um so mehr aber nahm es Bedacht der „grandezza“ nichts zuvergeben. Gerade gegenüber der Verarmung blieb Jeder um so eifng elbemüht solche durch sein äusseres Gebahren, durch prunkende SchauStellung zu verbergen. Noch bis in die ersten Jahrzehnte der RegierungPhilipps IV. (1621 — 1665) nahm der Aufwand, in den gewohnten Forme“im Ganzen eher zu denn ab. Und auch noch nachdem die Mittellosig»®allseitig tiefst um sich gegriffen hatte, hielt man an der steifen ” utfest und suchte ausserdem durch gesteigerten Scheinprunk zu imponireu-Freilich reimte sich dies schlecht mit den kläglichen Zuständon, j arieth auch mit ihnen selber allmälig in einen Widerspruch, so dassSpanier den andern Völkern, zumal bei ihrer lebendigen FortgestaltuUo’geradezu zum Gespötte ward. —
Die Niederlande sollten bald fühlen, dass mit ihrer Ablösung vSpanien zu Gunsten der Infantin Isabella Eugenia im Grunde nicht»wonnen sei. Die Verhältnisse drohten nicht nur mittelbar dieselbenbleiben, vielmehr nahmen gleich mit dem Regierungsantritte Philipp 3 von Spanien durch jseine unklugen Eingriffe, namentlich in Betreff ^Handels, eine so bedrohliche Wendung, dass sich die nördlichenvinzen nur um so heftiger gedrungen fühlten den Kampf lortzutuUeber die südlichen Gebiete, das eigentliche Belgien , hatte das Sc ^sal entschieden. Nicht mehr fähig sich von der spanischen Obei izu entlasten, blieben sie ihrem Drucke und ihrem Einflüsse ausgese ^Indessen, wenn es auch gelang ihre einst so eifrigen protestantischenkenner grossentheils, und wie in Brabant sogar durchaus, in den >~ c