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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

bald aber gegen Oestreich kehrte, Deutsche gegen Deutsche bewailnete,schritt sicher zu seinem Ziele vor. Durch seine engere Verbindung mitSchweden waren überdies der Norden und Westen in näheren Bezug g etreten. Doch fast noch entschiedener war der Sieg, den Frankreich seit-dem fortschrittsmässig über die deutsche Wesenheit "vorzugsweise intreff der äusseren Lebensform davon trug. Seine in diesem Punkte denDeutschen , jetzt gerade als Gegensatz zu ihrer Verwilderung als fe stgeschlossen erscheinende Weise, dazu die unter den höheren Ständen undauch sonst schon verbreitete Nachahmung französischer Sitte, dies unddie eigene Entsittlichung, zumal bei ihrer Entartung zum Rohen, kamendem nun noch besonders entgegen. Die Rückwirkung Frankreichs nachdieser Seite vollzog sich in allen Richtungen ebenso rasch als beinah allg e "mein, und äusserte sich namentlich seit Ludwig XIV. in einer den dortigenVerhältnissen ganz ähnlichen Gestaltung der Lebensweise. Abgesehen v °ndem Kaiserhof und einigen der kleineren Höfe, die sich davon weniger be-treffen Hessen , machte es sich bald jeder Fürst in seinem, nun auch von Lud'wigXIV. genährten Gefühl der Selbständigkeit zu einer Art von Ehrcnaugäbe dem glanzvollen französischen Hofe mit allen Kräften nachzueife rn -Die übrigen Stände folgten dem; und in nicht gar langer Frist, noch &<einmal die vielfach tiefen Schäden des Kriegs vernarbt waren, hatte slf 1die deutschegebildete Welt, dann auch noch durch die zahlreich eni-wandernden Hugenotten befördert, höchstens noch mit Ausnahme i» vereinzelten Reichsstädten, fast vollständigst französirt.

Schweden erhielt an Karl IX. (16021611) einen Herrscher, d ernicht nur die durch Siegesmund herbeigeführten Wirren zu besclm T|Ctigen und im Kriege mit Dänemark , Polen und Russland wohl zu bestehen vermochte, vielmehr auch das Reich, demungeachtet, im I naer !jungemein zu fördern verstand. Vor allem bedacht, im Volke die * V1durch Einheit zu stärken, mithin den Adel zu beschränken, den Bauernstand hingegen zu heben, ordnete er zuvörderst die Reichsverfassm'o»wie namentlich auch das Kriegswesen; fühlend woran es demgebrach, um den Staaten des Festlandes ebenbürtig dazustehen, beg 11stigte er Wissenschaft, Künste, Handel und Gewerbe, trug zur Bern rung des Bergbaus bei und ward, in seiner Fürsorge für allgemeuVerbreitung des Wohlstands, selbst Begründer mehrer Städte, von Goth elbürg (1607) und Falun (1608). Dies Alles, doch auch die ^stände, das Missvergnügen der Vornehmen, der Geistlichkeit und nntKlasse, die Erschöpfung des Staatsschatzes und die unbeendigten K rlerbte Gustav II. Adolf (bis 1632). Indessen wie er, trotz seiner Jug®^nach allen Seiten besonnen, maassvoll, mit thatkräftiger Umsicht ver .^jj 6)für die Leitung der Staatsgeschäfte die ausgezeichnetsten Männer w l ^die Kriege mit Dänemark , Russland (1613; 1617) und Polen (bis 1