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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche üebersicht.

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Allgemeinen nur er maassgeblich. Wenn dennoch höhere geistigeStrebungen nicht gänzlich unterdrückt wurden, ja selbst, wie vor allem"Johann Keppler, der Wissenschaft neue Bahnen anwiesen, und inännern wie Martin Opitz, Philipp Ilarsdörfer, Hermann Conving,em Schöpfer des deutschen Staatsrechts, in seinem Nachfolger Limnäus" A., vielseitig bedeutende Ziele erreichten; und wenn auch die Sittlich-e,t nicht überall in gleichem Grade vernichtet ward, sondern noch,m mer, wie vorzugsweise in den nördlicheren Grossstädten, zahlreichwürdige Vertreter fand, war Alles dies jedoch im Verhältnis zu demSammtumfang der Zerrüttung viel zu vereinzelt und gering, umwenigstens während der Dauer des Kriegs weitergreifenden Einfluss ge-w ' nnen zu können.

Aber bei aller Verwilderung erklang doch beständig die Klage desei ids, die Stimme der Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, eben einzigAusnahme derer, welche sich gleich den Söldnern nur durch denr ' e fj zu erhalten wussten. Als endlich, nach allgemeiner Erschöpfungle Fluth abzuebben begann, und es nach fast dreijähriger Schwankung(hto 1648) gelang die Parteien zu einigen, den Frieden zu befestigen,war das weitgedehnte Gebiet, darüber sie sich ergossen hatte, so imt'efsten Grund aufgewühlt, dass es geraumer Zeit bedurfte um nur erst^eder Boden zu gewinnen. Dass jede bürgerliche Ordnung gebrochen, eset z, Sittlichkeit aus den Fugen, und der Wohlstand vernichtet war,Rillte noch nicht zu den schlimmsten Schäden. Sie mindestens Hessen Slc h durch Umsicht, Kraft, Strenge, gemeinsames Handeln, durch wieder-et Wecken höherer Bestrebungen und angestrengt betriebsamen Fleiss,a uch langsam, doch sicher heilen. Unheilbar dagegen war derc k'Si der das deutsche Volk als Gesammtheit traf. Mit der Be-o j- ai, kung, dieOestreich erfuhr, und der nun ausgesprochenen völligenZe Sandigkeit der Fürsten wurde seine Einheit zerstückelt, seine Kraftgiü)^' ttert £ e lähmt. Fortan, da zu so vielenStaaten als es Fürsten z 2er trennt, zog jeder sich mehr in sich zusammen, seine Interessen^achtheil des Ganzen auf den eigenen Kreis verengend. IndessenIj ? 1 Se !bst demgegenüber war immer bedeutend genug der Gewinn. Diedi e IS ^' c ^* e Obergewalt hatte als solche ausgespielt, der Protestantismusder lc k ers teHung gegen etwaige Beeinträchtigung von dort her erreicht,Gl' ? eaanam * e Staatskörper eine feste Form erhalten, welche allen seineng e J..® rn > gleichviel wie mächtig oder schwach, Recht und Schutz zur eich rCn vermoc * lte - Den grössten Vortheil allerdings trugen Frank-A t o Ul| d Schweden davon, letzteres, indem es sich zum Hauptstaate desf est - e ° 5 er hob, Frankreich , sofern es sein Uebergewicht nun über Europa die i ' ^ c ' c h se !t seiner thätigen, klug berechneten Einmischung inw e,lts chcn Wirrnisse (seit 1637), da es sich zuerst gegen Spanien ,M "' Kostümkunde. III. 61