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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
stauch den Hof verschwenderisch nach dem französischen Hofe gestal-tend, gab gleich dem französischen Einflüsse, schon durch Richelieu be-gründet, volle Gelegenheit sich zu entfalten. Die nächste Folge wardass sich ihr Hof und der von ihr begünstigte Adel nun auch in seinemäusseren Verhalten von dem Volke entschiedener trennte. Dann aberblieb auch hier die Wirkung auf die anderen Stände nicht aus, wennauch vorerst nur dergestalt, dass das begütertere Bürgerthum veran-lasst ward dem nachzuahmen. Die ungemeine Förderung, die vornäm-lich durch Ludwig de Geer (bis 1644) die gesammte Gewerbthätigkcit,der Berg- und Ackerbau erfuhr, der dadurch vermehrte Wohlstand, kamdem wesentlich entgegen. Mindestens hatte es bereits, als nun Karl XL,noch minderjährig (1660), den Thron erbte, immerhin weiter um sich ge-griffen und bis zu beendigter Vormundschaft der verwittw r eten Königin(1672) ziemlich breit Wurzel gefasst. Aber auch wie nun Karl XLselber die Dinge handhabte, war Alles dazu angethan die Französirungkräftigst zu fördern. Anfänglich gestützt auf das Ansehen, welchesSchweden durchaus genoss, das ihm sogar die Uebertragung der Vermitt-lung des Friedens zu Aachen zwischen England, Frankreich und Holland (1668) einbrachte, sich aber in jugendlichem Leichtsinn seinen Ministernganz überlassend, führte das Schutz- und Trutzbündniss, welches er (1672)mit Frankreich gegen Oesterreich und die deutschen Fürsten abschloss,wie einerseits zur Entfremdung von Deutschland , so anderseits zu nach-haltigst engerer Beziehung zu Frankreich . Denn da nun Schweden mit der Schlacht bei Rathenau und Fehrbellin (1678) seinen Waffenruhmund Alles, was es in Deutschland besass, verlor, auch von Dänemark zur See besiegt ward, überhaupt grosse Verluste erlitt, und den Wieder-besitz des Verlornen im Frieden von „Sainte Germain en Laye, Nim wegen , Fontainebleau und Lund “ (1679) lediglich Frankreich zu dankenhatte, musste es letzteres geradezu als seinen Retter anerkennen. Zu-dem hatte das Reich einen Verlust von vierzig Schiffen, von mehr alshunderttausend Mann, die Verheerung mehrer Provinzen und eine bisauf fünfzig Millionen gesteigerte Schuldenlast zu beklagen. Vor allemindessen war nun eben die Art, wie der König verfuhr um die Schädenzu heilen, zumal bei dem jetzigen Verhältniss zu Frankreich , selbst aucheiner Verallgemeinerung der Französirung besonders günstig. L)enwesentlichen Ausschlag dafür gab, einmal dass er durch Einziehung alle*(seit 1609) von der Krone getrennten Güter, unter Mithülfe der Geist-lichkeit, des Bürger- und Bauernstandes, dem Adel seine Macht entzog,so dass er mehrentheils verarmte, ihn also auch der Mittel beraubte sichäusserlich merkbar hervorzuthun, und dass er, fortan den Krieg vermei-dend, nachdem er (1680) fast Unumschränktheit erreicht hatte, jeglicheKräfte anspannte um das Reich im Innern zu heben, von der Schulden-