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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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966
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

auszeichnete, ebenso kräftig förderte er Wissenschaften, Schifffahrt undHandel; letzteren durch die Anlegung der (dänisch -) ostindischen Nieder-lassung au der Küste Coromandel, wie durch Begründung einer grön-ländischen und isländischen Handelsgesellschaft zu so rasch wachsendemUmfange, dass es selbst die Eifersucht Hollands erregte. Nicht minderhob er die Gewerbtlnitigkeit; ja begründete so einen Wohlstand, dersich dann unter seinen Nachfolgern, bei fortgesetzter Förderung, auchauf die niedereren Klassen erstreckte. Zudem aber, mit der auf Grunddessen gesteigerten Liebe des Volks für den Thron, wie andrerseits her-vorgerufen durch die bedrückende Stellung des Adels, durch sein Ver-fahren im Kriege mit Schweden und dadurch, dass er sich der Errichtungeines stehenden Heers widersetzte, thaten sich die Geistlichkeit mit demBürgerthume zusammen und übertrugen mm Friedrich HI, (im Jahre1660) durch dieArfve-Enewolds-Regierungsacte die erblich-unum-schränkte Gewalt, dem sich der Adel fügen musste. So auch von die-sem Druck entlastet, dadurch ausserdem zu melirer Einheitlichkeit ange-wiesen, schritten sowohl Bildung als Wohlstand im Allgemeinen nochrüstiger vor; und dies seit Christian V. dann noch um so freier undgleichmässiger, als namentlich er, ganz abgesehen auch von seiner För-derung des Gemeinwohls, zugleich in Würde und Leutseligkeit, die ihmalle Herzen gewann, allseitig das trefflichste Beispiel gab. Geleitetvon solchen Umständen, hielt denn das Volk im Ganzen genommen anseiner herkömmlichen Lebensweise und Lebensform mit Vorliebe fester.In dem Bewusstsein Alles das, was es besass, recht eigentlich aus sichheraus gewonnen zu haben, fand es bei seiner ungetrübteren nordisch-germanischen Urtheilskraft seinen Werth mehr in sich selber. Und konntees sich allerdings auch von dem breiten französirenden Strome nichtgänzlich unberührt erhalten, so Hess es sich doch nicht mit fortreissen,sondern bewahrte, fast lediglich ausgenommen in den südlicheren P 1 ' 0 'vinzen, immerhin ein gutes Theil seines (dänischen) Stammgepräges.

Auch die Schweiz hatte weit überwiegend mit sich zu thun. U ekirchlichen Unruhen dauerten fort, mit ihnen auch die Wechselbeziig ezu Oesterreich , Frankreich und Spanien . Je nachdem sich bald die eine,bald die andere Partei erhob, gewann oder schwächte sich der Einflussder Katholiken und Reformirten. Widersprüche, Uneinigkeit in den ein-zelnen Verwaltungsbehörden gaben dem beständig Nabrung. Selbst wederdie Vereinigung (1628) der gesammten Eidgenossen zur Vertreibung derauswärtigen Feinde, noch ihr Bemühen sich gegenüber dem deutschenKriege neutral zu verhalten, erreichte den Zweck vollständig, konntewenigstens nicht hindern dass Oesterreich ein Jahr hindurch Chur be^setzte und später (seit 1633) sowohl Oesterreich als auch Schweden dasLand mit Truppen überzogen. Ausserdem führten die sich heftig er