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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

zu kurzer Dauer, überdies auch viel zu locker, als dass dadurch etwaSpanien ein Uebergewicht hätte behaupten können. Schon die Weise, mwelcher Frankreich (seit 1628) dem entgegenarbeitete und vor allemBichelieu durch den Vertrag von Chierasco (1631) den spanischen Einfluss dauernd schwächte, so dass sich (schon 1635) Savoyen , Mantua unParma gegen Spanien für Frankreich erklärten, war in diesem Punkteentscheidend. Aber auch die übrigen Staaten, obschon, mit Ausnahmedes freien Venedig , noch grösseren Theils von Spanien abhängig, neigtensowohl dem Wesen nach als. auch in ihrem Streben nach Aussen beiweitem mehr auf Frankreichs Seite. Die im dumpfen Katholicisnius dahinsterbende spanische Welt widersprach dem, doch viel bewegliche* enitalienischen Volksgeiste. Dazu kamen in den spanischen Gebieten, deninneren Widerspruch in ihnen auch von Aussen her verstärkend, die vonihren Regierungen willkürlich, bis zum Aeussersten gesteigerten Bedrückengen, wie denn in Folge dessen eben nicht viel fehlte, dass sich Neapdurch die Empörung Masaniellos (1647) von Spanien zu Gunsten Ft anreichs losriss.

Auch die innere Lage der Staaten kam dem wesentlich entgege'Nicht nur dass sich der Einfluss der von Macchiavell aufgestellten R egierungsgrundsätze immer deutlicher offenbarte, feierte doch auch da®geistige Leben immerhin eine Nachblühte, die wenn auch schwach, docnoch stark genug war um den Geist rege zu erhalten. So mindesten®in Oberitalien , hauptsächlich in Florenz und Venedig , auch zumnoch im Kirchenstaate, ja selbst ungeachtet der Schwäche fast allernächstfolgenden Päpste (bis 1648) und ihres vergeblichen Bemühens dasursprüngliche Ansehen des Papstthums wiederum zu festigen. Die m ederen Stände allerdings, wie die grosse Masse des Volks, hatten kaumeinigen Theil daran. In ihnen, da mehr auf sich beschränkt, erhielt siüberhaupt die Volksthiimlichkeit von äusserlichen Einflüssen freier, 1,1dies folgends noch um so mehr, als sich bei sinkendem Wohlstände vorzugsweise über sie die Macht der Geistlichkeit kräftig, dauernd einDoch auch bei der wachsenden Vorherrschaft der Geistlichkeit im Allg^meinen stieg, wie. bei den Fürsten , so auch im Volke der Widcrvwgegen Spanien , ja bei dem Prinzen von Monaco bis zu einem Gra >dass er, nur um nicht spanische, sondern französische Besatzung zu ^halten, einen ziemlich beträchtlichen Theil seiner Güter Spanien preisg>Savoyen , wenn gleich seiner Stellung nach (seit 1651) zwischen Oesterieund Frankreich schwankend, folgte hauptsächlich letzterem. Genua mus»Frankreich gehorchon; und auch Toscana, das seine Würde gegen Oeste>reich einbüsste, blieb dem französischen Einfluss geöffnet. So denkam es, dass sich die Höfe und mit ihnen die Vornehmen fast durchwe^

gänzlich französirten, das Volk als solches dahingegen, immer entschie 11

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