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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche Uebersicht.

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a uf sich verwiesen, auf sich selber eingeengt ward; eben je mehr als sichdte Mängel der Staatskunst in Rücksicht auf Ackerbau, Handel, Gewerbeund Finanzen in Verminderung des Wohlstands, und die Vormacht derGeistlichkeit in der Beschränkung und Abnahme jeder freieren geistigen,Wissenschaftlichen Bethätigung zeigten. Letzteres äusserte sich in Flo­ renz schon bald nach dem Tode des Kardinals Leopold von Medicis,nachdem er sich noch durch die Begründung derAcademia de Cimento(1657) ein Denkmal gesetzt hatte.

Wie in Polen sich die Verhältnisse unter Sigismund Ul. (bis 1632)gegenüber dem Adel und nach Aussen, zu Russland und Schweden , so-wie auch durch die Kämpfe mit den Tataren, gestalteten, ward hier desZündstoffs so viel, und einander widerstrebender Formen so mannigfaltigeerzeugt, dass ein Einfluss von Aussen oder etwa gar dadurch eine Wand-ung der Volksthümlichkeit nicht wohl hätte Platz greifen können. Auchdass es dem Adel gelang, sich immer kräftiger zu erheben, und unterLadislaus VII. (16321648) zunehmend auf Kosten des Königthumsseine Macht zu befestigen, musste darauf, bei der einmal geschlossenerenStammeinheitlichkeit, ohne Folgen bleiben. Sie war nicht so leicht zubewältigen; am wenigsten aber, so lange das Reich vorwiegend mit sich,*hit den eignen innern Interessen zu thun hatte, und überdies vermochte,Slc b den Nachbarstaaten gegenüber zusammenzuhalten. Aber auch selbstJoch nachdem das Reich unter Kasimir V. (16481672) sowohl durchle Kosacken, Russland und Schweden , als auch durch Verfolgung derr °testantcn ungemein gelitten hatte, und nun, durch die Möglichkeiten Thron durch Umtriebe zu erwerben, die Gährung in gewaltsamenUmbrüchen aufs höchste stieg, selbst da blieb man sich immerhin noch'^soweit getreu, dass man das Bestreben Frankreichs , den Thron mitj-'nem französischen Prinzen zu besetzen, durch die Wahl eines Einge-hen, des freilich wenig würdigen Michael Wisnoiviezki vereitelte.Erdings sonst kein Gewinn für das Reich. Denn das Land, bereitsu *)ter Kasimir halb entvölkert und sein Wohlstand im Kerne vernichtet,P n S nunmehr, von Aussen durch die Tataren und Türken aufs härtstee r ängt, auch im Innern tiefster Zerrüttung entgegen, ja würde selbst^*nn noch vermocht haben sich zu behaupten, wenn ihm nicht fast8 eichzeitig mit dem Tode Wisnowiezkis (1673) in Johann III. Sobieski18 1696) ein Erhalter erschienen wäre.

Indessen, wie heldenmüthig sich auch Sobieski in fast beständigem£, a mpfe, hauptsächlich gegen die Türken erwies, besass er doch wenig^ eschick die inneren Schäden zu heilen, wie überhaupt dem längst0 enden Verfall nachhaltig entgegen zu wirken. Ueberdies aber war^ , C1 bereits durch die vielseitigen Verheerungen und den unausgesetztle gerischen Verkehr mit Russen, Türken und Tataren die Volksthüm-