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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
besondere Verzierung der Kleider bildeten ein Besatz mit kleinen geweihtenBildern oder „agnus dei.“ — Die sonst /beständig darunter getragenenglockenförmigen Reifröcke (S. 535; S. 543) verloren sich unter Karl H-(seit 1665), blieben fortan mindestens nur noch dem Erscheinen bei Hofeund anderweitigen feierlichen Gelegenheiten Vorbehalten. Statt dessenbediente man sich kleinerer, bei weitem bequemerer „ Yertugadins,“ 11 ndvermehrte die Unterkleider. Ihre Zahl belief sich im Winter auf a c 'itbis zwölf, im Sommer auf sieben bis acht. Diese Kleider wurden ausden kostbarsten und schwersten Stoffen, aus Atlas, Samint, Gold- odeiSilberstoff verfertigt, und mit Tressen oder Spitzen reich besetzt; das zuunterst getragene war bei vier Ellern im Umfange, entweder ganz ausenglischen Spitzen oder feinem mit Gold gesticktem Muslin. SoleUnterkleider kosteten gelegentlich fünf- bis sechshundert Kronen.nehme, beiderlei Geschlechts, hatten Hemden von feiner LeinwaiJedoch, da diese selten und theuer war, so schafften sie nur wenig 0 a11 ’auch trugen sie die segewöhnlich sehr lange, bevor sie dieselben wasch® 1 'Hessen . Ein wesentlicher Theil der weiblichen Kleidung bildeten lang e ’hängende Ermel unmittelbar über der Hand befestigt, mit TressenSpitzen besetzt, und, als Ueberwurf, die „mantilla nunmehr einevon Rückenmäntelchen, zumeist von leichterem Seidenzeuge, das hisden Knien reichte (vergl. S. 537; S. 348).
Der Schmuck der Weiber erschien im Ganzen nicht weniger sch"®fällig, als ihre Kleidung. Die Gürtel waren zusammengesetzt ^Münzen und Reliquien; daneben fehlte niemals ein Hüftstrick jschwarzer, brauner oder weisser Wolle, der, irgendwie einem geismOrden entlehnt, vorn, inmitten der Taille herabhing. Sehr beliebtBesätze von Juwelen. Vornehme trugen deren stets mehrere, je nac ^von Diamanten, Rubinen, Smaragden, Türkisen und Perlen. Dochdie spanischen Goldschmiede so schlecht, dass die Steine n. s. v "ganz von der Fassung bedeckt wurden, was man indessen übersah,man vermeinte, dass das Gold eben so schön, als das Uebrigc sei- fbänder von Steinen oder Perlen fanden keine Anwendung. Desto lllUtrugen die Damen derartige schwere Ringe, Armbänder, E 1schleifen, Ohrgehänge und Haarzierden. An den zumeist 1Brustschleifen von Diamanten u. a. hingen entweder Ketten ^Perlen oder zwölf kleinere, ähnliche Schleifen, welche maneinen und anderen Seite befestigte. Die Ohrgehänge waren haiü
" ‘ ' , zierte man
so dass sie die Ohren ungemein beschwerten. Zuweilen ziert
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de?p» ü 11 - , ÜJlren ’ feinen englischen Schlüsseln, kleinen Glockenordnl P ' T iCD - EinC kauptsächliche Haarzierde bestand in &«'von S,q,, V ^ ei , Kadeln ’ deren Knö P fe iu farbigen Steinen die Gestalt®'Schmetterlingen, Fliegen u. dergl. nachahmten. Fast alle P»"*"