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auch nur in Einzelheiten mehrfach abgewichen waren, fuhren in dieserRichtung fort, sie, obschon auch nur innerhalb ihres festeren Gesammt-gepräges, doch weit merklicher umgestaltend. Die Spanierinnen, wievorzugsweise die Madame de Motteville und die Madame de la Mothed Aunoy aufmerksam beobachteten 1 — hatten glänzend schwarzes undre iches Haupthaar, eine bräunliche Haut, grosse und feurige Augen,Regelmässige Züge, zierliche Hände und so kleine Fiisse, dass sie diechuhe von sechsjährigen Kindern hätten tragen können. Was ihnen aniahender Farbe fehlte, suchten sie durch Glanz zu ersetzen, indem siedas Gesicht so lange und heftig rieben, bis dass es wie gefirnisst er-schien. Nichts war ihnen so zuwider als eine gesunde Fülle des Körpers,esonders aber ein voller Busen. Der Ausbildung des letzteren suchteJüan gleich bei den reifenden Mädchen durch beständiges Auflegen vonciernen Platten entgegen zu wirken, was bei den Meisten derart ge-^ n g> dass man statt irgend welcher Wölbung vielmehr Vertiefungen sah.ocnehine und geringe Weiber schminkten sich so übertrieben mit WeissRoth, dass sie dadurch Fremden, die nicht an den Anblick gewöhntWaren, geradezu Widerwillen einflössten. Sie legten das Roth nicht alleinai, f die Wangen, sondern auch auf die Oberlippe, Ohren, Stirne, SchulternUn d Hände, und malten sich auch Augenbrauen gleich einem feinen FadenV °, n Haaren. Das Oberkleid trugen ältere Damen durchgängig vonWarzem oder grauem, jüngere entweder von weissem oder farbigemds oder Taflet. Es schloss dem Oberkörper fest an, wurde vorn, nichten mit Knöpfen von kostbaren Steinen, zugeknöpft, bedeckte Brustlltlc lHals grösstentheils, war rücklings jedoch so tief ausgeschnitten, dassBlan kis zur Hälfte hinab sehen konnte. Die Ermel waren eng und nuran ( R n Schultern mit Wülsten oder „Flügeln“ versehen, während derei fentliche Rock eine solche Länge hatte, dass man die Fiisse hinein-lc keln konnte, wie sich denn die Spanierinnen gleich von Kindheit an^ ar 'n übten, beim Gehen auf das Kleid zu treten, da ihnen der Anstandp' e S0r oföltigste Verhüllung der Füsse zur Pflicht machte. Ja, ehrbarenjj^ ailen galten die Fiisse für so heilig und unverletzlich, dass sie eherr Leben gewagt, als diese einem Manne gezeigt haben würden. Eine
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V t0 Motteville. Memoire pour servir A l’histoire d’Anne d'Autriche, d’ Un red ‘ *723. bes. Bd. V. a. m. 0.; M. K. de la Mothe d’Aunoy. Lettres*elzter°^ a ^ e 60 ® 8 P a S ne etc., un( l „Memoirs de la cour d’Espagne etc.“ (die beidenGrafi re " Merke erschienen in englischer und in deutscher Uebersetzung: „DerLeipz" V ° n Aun °y Beschreibung ihrer Heise nach Spanien , mit Kupfern.^’Aun'^ un 'l „Spanische Staatsgeschichte, beschrieben von der Gräfin
zeitig. °^'L ei P z 'g 1703. Ygl. auch die Auszüge aus diesen und anderen gleich*(B "erken bei C. Heiners. Geschichte des weiblichen Geschlechts. III.Hannover i 800 ) 8 . 3 ff.