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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
rücksichtlich der einzelnen Gebiete durch die ihnen vorwiegenden B e "Sonderheiten je eigens bedingt, bedurfte es, zugleich nach dem Maasseeben jenes Einflusses, hie und da immerhin noch geraumere, kürzere oderlängere Zeit, bis dass sich diese Besonderheiten zu Gunsten des franzö sischen Vorgangs überall völliger ausglichen. Auch bildeten sich währendsolches Vollzugs innerhalb der verschiedenen Länder auf Grund sowohlihrer Volkstümlichkeiten als auch der sie bewegenden äusseren undinneren Verhältnisse je wiederum Eigenheiten aus, welche sich, wennauch schon gleichartiger, nichtsdestoweniger im Einzelnen verschiedentlichäusserten. Diese Eigenheiten aber beruhten nunmehr weit weniger aueinem nur noch blos willkürlichen oder launenhaften Spiel, wie dies ' 01dem wohl ein Zufall oder der Einzelne einleitete, sondern überall wesentlieh auf der geistigen Zeitströmung, auf den durch sie bei jedem'Vol enach den von ihm eingehaltenen, mehrseitigen Richtungen je besonderssich entfaltenden, unterschiedlichen Lebensformen. Nicht eher, ^ lSdass diese Formen dem französischen Einfluss erlagen und also ein dcruentsprechendes einheitliches Gepräge gewannen, vermochte sich da»Erscheinen im Ganzen, wie vor allem auch in der Kleidung, üboicmstimmender zu gestalten. Somit denn begann dies, ungeachtet derherrschaft die jener Einfluss von vornherein steigend behauptete, elsgegen die Mitte des Jahrhunderts, ja eigentlich erst mit der Regie ,ul °Ludwigs XIV. (seit 1651), und blieb auch fortan noch auf die 1101nehmsten und höheren Stände eingeschränkt, während daran die miftf ciennur theilweis, die niederen Klassen aber schon kaum, und die Bevvolu> ekleinerer, von den Haupstädten entfernterer Kreise, so wie naniendie Landbevölkerung nur sehr spärlich, auch überdies stets je nachlegenheit oder Zufall, rein äusserlich bedingt JTheil nahmen.
In Frankreich selber setzten sich die üblichen Formen ^ “ el ^Geschlechtern mindestens bis zum Aufhören der Regentschaft Maria Medicis , bis gegen die Mitte des zweiten Jahrzehnds, ohne merk 1Veränderung fort. Den Anstoss zu einer Wandlung gab eben crst ^ 1)C |wig XIII. nach seinem eigentlichen Regierungsantritte (um 1614) 11zwar vor allem einerseits durch seine jugendliche Erscheinung,durch seine Verheirathung (1615) mit der spanischen Anna vonreich. Sie beide, sowie denn insbesondere die Persönlichkeit des K ^namentlich seine mehr düstere und kalte, die Ruhe liebende Wesen ^wiesen nun aber auch der Wandlung nicht nur ihre Richtung an, ^mehr übten darauf dauernd den entschiedensten Einfluss aus, fi elfolgends in seltsamem Widerspiel mit der gerade vom Hofe ausgensittlichen Zerfahrenheit, welche auch in diesem Punkte, obschon gleicnur versteckt, das Uebergewicht davon zu tragen und wohl zu be\va ^verstand. — Der Aufwand in kostbaren Stoffen, in Schmuck un