A Tracht. Deutschland . Kleid, d. Stutzerthums im Allgem. (1600—1650). 1041
weite Verbreitung von „wohlerwogenen“ Ansichten, eindringlichen Bei-spielen und scharf gewürzten Warnungen abzuhelfen. Die mancherlei,bereits seit länger begrabenen „Kleider-, Hoffarts-“ und sonstigen „Teu-fel“, wie solche etwa vor siebzig Jahren auftauchten ('S. 634), begannensich abermals zu regen, allerdings jetzt in anderer Gestalt und auchohne sich wiederum so rasch und stark, wie damals, zu vermehren.Einer der ersten dieser Teufel erschien als „ Allmodischer Kleyder Teuf-fel“, geziert auf dem Titel 1 2 mit einer Darstellung von acht allmodischbekleideten Figuren, im Jahre 1629, der letzte als „ Alamode Teuffel “um 1682. 2 Der Verfasser des ersteren, der würdige Kaplan JohannEllinger, fragt vor allem in der Vorrede: „Aber w'elch ein landkriechen-des Wort ist Allmodisch ?“ und fährt dann, seltsam genug fort: „So achtich demnach das Wort kWmodi werde erstlich auff Teutsch vnd Lateinzusammen geflicket, vnd heiss Allmodi, so viel alss allerley Weiss vnnedGattung. Dann sollte der Teutsch eben in dem so fest an seine teutscheMuttersprach gehefftet vnnd genagelt seyn, dass er von andern nationennicht ein Wort entlehnen, vnnd damit sein angeborne Sprach verketzernkönnte, dass wer ja ein ewige Schande, da doch der meiste theil Teut-schen, jhre Kleidung vnnd teutsche Gemüter schon längsten vermeta-Worphisiret. vnnd verwandelt haben. Da gibts Teutsche Spanier; Teut-sche Franzosen; Teutsche Italiener; Teutsche Engelländer. Summa:Eer Teutsche Mann, ein Allmodisch Mann“. — „Zum Andern kan esft uch wohl auff Griechisch vnd Latein zusammen geraspelt vnd geplacketseyn, vnnd müste also geschrieben werden ctü.o modi vnnd hiess Ande-r er Weiss, Art, vnnd Gattung, verstehe, alss es Gott wol gefallet,alss einem teutschen Biedermann wohl anstehet oder löblich vnnd riihm-lich ist“ (u. s. w.). — „Zum Dritten kann es wohl seyn, wie dann ins-gemein darfür geachtet wird, dass es herkommt von dem ä la mode , vffdie jetzige newe Art, die einem oder dem andern Narren gefallet, vnd
1 Des höchst seltnen Werkchens vollständiger Titel lautet: „AllmodischerKleider Teuffel. Das ist, 1. Schimpff vnnd Ernstlicher Diseurs, vber den heut-igen allmodischen: oder, .4-(ir-modischen Ivleyder Teuffel, etc. 2. Erörterungder Frage: Wie ein Erbarer Teutscher Mann thun solle, wann sein Veib (da68 doch sein Seckel nicht ertragen könte) sich Allmodisch tragen wollte, damit
des Hausscepters nicht gar verlustig werde. 3. Regulae eines Getrewen EheWeibs. Verfasset Durch M. Johann Ellinger Caplan zu Arheiligen. Gedrucktm Verlag Johann-Carl Vnckels Buchhändlers. Zu Franckfurt am Mayn.Al >no MDCXXIX.
2 Alamode - Teuffel, oder Gewissens-Fragen von der heutigen Tracht undKleider-Pracht, Aus wohlmeinendem Gemüt und Christlichem Eifer, auff sonder-bares Begehren, beschrieben, mit seinen rechten Farben üluminiret , und imöffentlichen Druck auff das Theatrum dargestellet, durch Michaelevn Freud, demAeltern. Hamburg , Gedruckt bey Peter Zieglern, im Jahr 1682 (Seiten: 304!).
^ ei8 s, Kostümkunde. IIC 66