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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
zu Nürnberg und hat daran der Magistrat eine gewisse Ordnung gemacht,dergestalt, dass man die verschiedenen Qualitäten und Religionen dermeisten Leute an ihrer Traeht ersehen kann“; und „was vor wunderlicheTrachten man zu Strassburg in der Kleidung habe, kann ich in beige-setztem Abriss besser als mit der Feder erklären.“ Die gleiche Anordnung * nBetreff eines Unterschieds nach Religion bestand auch in anderen schua-bischen Städten. Noch ferner bemerkte derselbe Reisende: „Es 81,1eine grosse Menge Juden zu Frankfurt , welche aber gegen die Amstetdamer für Bettler zu halten sind; sie haben ihre besondere Kleidung mschwarzen Mänteln mit rundem Gekröse, und tragen gespitzte Balte,was indessen ebenfalls in noch mehren Städten statt hatte. —
Abgesehen nun aber von der so bestimmter begrenzten, eigcnhetfliehen Fortgestaltung, griff die französische Bekleidungsweise seitMitte der zwanziger Jahre mit ungemeiner Schnelligkeit um sich. F° rtan von der Mehrzahl der Höfe, mithin alsbald auch von den b'd ie ^- nStänden überhaupt aufgenommen, bemächtigte sich ihrer vor allem ^weitverzweigte Stutzerthum vollständig, welches denn zugleichihren jeweiligen Bestand bezeichnende Wort nicht nur als Ausdidieser, seinerBethätigung mitherübernahm, sondern es auch, gleichsamSchlagwort derselben, zu allgemeinster Geltung brachte. Was von *nicht als „altvaterisch“ betrachtet sein wollte, musste „a la mode. ^scheinen, in Kleidung sowohl als in äusserem Anstande. Ueberall spraman von „« la mode “. Und „a la mode“ oder „allamode“ ' vlirdie Losung, wie einerseits im ernsten Sinne bei Allen, die dem Zcitc^schmacke folgten, so anderseits gegensätzlich bei denen, welche sichvon ferner hielten oder dem geradezu widerstrebten. Die Zahl _letzteren indessen war von vornherein auch in den dieser ^ eUCl ^ niwillfährigen Gebieten keineswegs gering. Obsehon hauptsächlichälteren Geschlechte, und insbesondere dem Bürgerthume angehörig)sie doch auch einstweilen noch in höheren Kreisen mehrfach ErgänzAuf die Dauer allerdings vermochte diese Partei der immer heftige* ‘dringenden Zeitströmung nicht zu widerstehen. Aber ohne sieb ihr 'lenlos oder gar absichtlich zu überlassen, behauptete sie vielmehrderselben theils gewohnheitsmässig die Kraft sich dagegen zu stemtheils aber auch das bewusste Streben ihr so viel als möglich entgzu wirken. Neben den bloss mündlichen Klagen, fehlte es denn ‘ ^
fernerhin nicht an Einzelnen, welche es sich zur Aufgabe machtensolche, nach ihrer Ansicht höchst verderbliche Neuerungssucht, g e ' nmaassen systematisch durch das gedruckte Wort zu bekämpfen.Mahnungen von der Kanzel herab hatten sich längst als nutzlos ^ ^sen; mehr noch vertraute man den freilich auch schon seither vergegemachten Versuchen, dem „fressenden Uebel“ durch eine thun )C