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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

dem Erscheinen jener abbildlichen Angriffe, der würdige Herr GeorgFriedrich Messerschmid in einer Predigt über den Text:Faeminaesunt viscarum Diaboli, ess seyn die Weiber des Teuffels Leimrutten,die um 1615 zu Strassburg gedruckt erschien, eingehend aus, worin ® rdenn besonders betont:So lasset uns doch nicht von der Narrheit ab-weichen, ehe wir zuvor die Eitelkeiten der Weiber in den äusserlichenActionen, Thun , Vorhaben und Lassen entdecken und offenbaren: als wiesie sich so sehr delectiren und belustigen, hübsch zu seyn, sich mit man-cherlei Farben anzustreichen und schön zu machen. Sie erkühlen das

Antlitz mit fersigblühend Wasser, bestreichen und zaerteln das Heischmit Limonensaft, mit Eselsmilch. Sie erhalten sich mit Kosenwasser,Wein und Alaun. Sie gebrauchen sich der Tragant-täfelein von Quitten-kerne, des gebranden Weins, des ungelöschten Kalks, ihnen ein rechtvollkommen Bleiweiss-Sälblein zu präpariren. Siehe, da werden gesellenausstaffirte Spiegel-, Rosen- und Spicanardiwasser, Bisam, Zübetli, Bauch-werke, schmähend Pulver von Aloes, Cipern, Stabwurz, Sclimalkügelem,Bisamkopf, Muscatniissen. . . . Da sieht man Sträl (Kämme), Spieg e '>Ohrenlöffel, Haareisen, Haarschären, Rupfzwänglein und Pfriemen. D astehen Sehächtelein, Büchslein, irdene Geschirlein, gläserne Fläschlein,Schisselein, Schärblein, Häfelein, Eyerschaalen, Muscheln, gespickt undausgefüllet von allerhand Pflästerlein und Sälblein. . . Da tritt die Magherbei, die Haarbögen zu rüsten, ihnen die Rosen und Nestel zu binden,die Haarscheidel zu machen, die Haar recht zu ordnen und zertlieilen,sie einzuschnüren, die Achseln zu ziehen und einzuhalten, um ihnen davornen, um dahinten zu helfen, die Pantoffeln und Stelzenschuhe beizutragen, die Falten zu erheben, den Schweiff (Schleppe) zu erlupfem "Da tritt dann Frau Venus herein mit wohlaufgeputztem Kopfe, 111aufgelegten Büschen, mit auf der Seite aufgebundenen Hörnen, mit geben, braunen, blauen, grünen, schwarzen, weissen Haarflechten, mit g uneu Binden und Floren, mit Masken, mit Larven, mit Federbüschen, ieinem Huth, darauf Stiefften, Medaglien, oder vergüldten Müntzen;neugebachen, fantastischen Bossen: mit Armbanden um den Arm, 'diamantnen Ringen an den Fingern, mit Ketten um den Halss undhenkten an durchlöcherten Ohren; mit Nägelsblumen Melken) wohl otermalen in der rechten, mit Rosen in der linken Hand. Auf so cManier, nun herausgeputzt, da kommt sie eben recht für, wie eine m *und angestrichene Isabella.Weiteres zu grösserer Zärtlichkeit 1sie seidne oder von Gold gestückte Handschuh; zu WinterszeitSchluffer (Muffe) von Zobel, den Sommer durch einen Windfahnen ( *eher) oder Mückenschleicher. Was wollen wir nun aber von ihrerzierde erzählen ? wie viel ich deren gesehen, welche Kragen tragen,vielmehr für Karrenräder zu haltend seynd ? Und ich weiss nicht, "