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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1047
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A. Tracht. Deutschland . Kleidung der Weiber (16001650). 1047

sie sieh dafür zeichnen (bekreuzen) können. Und obschon die Sachöiehrers nicht werth ist, thut es doch Noth, Thüren und Pfosten zu er-weitern, sonst können sie nicht hinein. Auch sieht man zwar, dass siemonatlichen solcher Krügen formen, verändern und changiren; welcheVeränderungen dann ofiftennalen mehr kosten, als wohl bisweilen einganz newes Kleide. Und ich weiss eine Persolm, die hat für einendicken Kragen fünfzig Kronen spendirt; ist zwar für einmal genug. Nunfragt sich, ob dieses nicht Würkungen der Narrheit sein, welche solchenLeuthen es dermassen so süsz einredet, dass sie sich dürfen bereden, siestellen desto besser, je mehr sie mit dergleichen parfümirten Kossenauffgezogen kommen."

Mit zu diesen Narrheiten gehörte auch die Aneignung von verschie-denen, den Wämmsern und mantelartigen Knöpfröcken der Männer ganzähnlich gestalteten Ueberkleidern, eben wie jene zum Theil roekförniig,Dl| t langen Schössen und kurzen oder langen geschlitzten Ermeln, dievordere Oeffnung und die Ermelschlitze durchaus dicht mit Litzen oderKnöpfen besetzt, so wie auch die des männlichen (Schlapp-) Huts mitWallender Feder, des lang und breit herabfallenden gefältelten Kragens,^ er Stulphandschuhe u. a. m., wogegen denn unter Anderen auch wieder-Urn Johan ELlingcr das Wort ergriff:Bcsihe doch heutigen TagesVnsere Allmodischen Frewlein, kannstu auch einen Unterscheid der* ümbstcr merken vor der Männer-Wämbster, ist eines so wol als dasander zerfetzet, versclmitzelt vnd grosslappendt, die Hüte vnd Federngleiche Tracht vnd kein vnterscheidt. Die Hosen tragen die hohenMadonnen vnter den Köcken. lm Jahre 1631 (am 3. September)schrieb Magdalena Sibylla von Dresden aus in einem Briefe an ihrene ®ahl, den Kurfürsten Johann Georg II. von Sachsen, nicht wenigentrüstet: 1Die von Leipzig von Weibsvolk sind geflohen, sehr wenigcsserung, sie thun hier nichts denn mehr Hoffart und Pracht in Klei-u "g herein in Dresden bringen, damit hier unsere Dresdner SchlappenVollend in ihrem halsstarrigen Sinn wegen übermächtiger Hoffart in Klei-Ull g verstärkt werden, denvegen wohl die hohe Notli erfordert, BefehlZu thun, damit .der Hoffart gewehrt würde. Wir hätten Ursacli genug,n diesen Zeiten in der Aschen und Säcke Busse zu thun, so will man»och wenig daran denken." Die ungemein haushälterische Kurfürstinähd auch der Kurfürst selber zeichneten sich allerdings, indessen unteren bürsten auch bereits als seltene Ausnahme, durch eine gewisse alt-vaterische Einfachheit aus. Aber weder ein solches Beispiel, noch, wie* es e ben die Kurfürstin tief beklagt, das sich häufende Elend des Kriegs,

o K. A. Müllers - 61 .

Forschungen auf dem Gebiete der neueren Geschichte. I.