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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
sah (s. unten). Einzig nur darin wich man von den Franzosen immerhinnoch in etwas ab, dass man sich gegenüber der von ihnen seit Lud wig XIV. beobachteten, geregelteren Steifigkeit und Strenge, und so be-sonders gegen den Schluss des Jahrhunderts eine im Ganzen freiereAnordnung, wie denn überhaupt eine grössere, verhältnissmässig derbeUngezwungenheit bewahrte (Fig. 372 a b; vergl. Fig. 362 a b).
Die Weiber fuhren fort, es den Männern möglichst zuvor zu thun.Um in der Nachahmung der französischen Muster ganz sicher zu gehen,,ja um keinen Preis auch nur das Geringste zu verfehlen, Hessen sie, wiesonst wohl schon gelegentlich geschehen war, nunmehr gemeiniglich jeden
Fig. 372.
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Monat sorgfältigst gekleidete (Mode-) Puppen aus Paris kommen, sandtenauch eigens Schneider dorthin, um die neusten Formen gleich dort auf'zunehmen. »Wollte jemand die Kleider-Pracht der Weiber anatomire n“schrieb (um 1663) Wolfgang Ouw — „würde man gnug zu thunkriegen. Kurtzlich und wahrhafftig kan man davon also urtheilen-1. Wird gesündiget superfluitate, dass man an Gewand, Kammertuch,Bänder etc. mehr gebraucht, als die Nothdurfft erfordert. 2. Wird ge-sündiget sumptuositate, da man allerhand theure Sachen auff den Leibleget, in Gold und Silber-Stiick, Seiden, Sammet; Atlass und anderntheurbahren Wahren sich kleidet. 3. Wird gesündiget novitate, dass