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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1051
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A. Tracht. Deutschland . Kleidung- der Männer u. Weiber (16001650), J051

gegen zu eifern, zu denen auch Michael Freud gehörte, der in seinem»Alamode-Teuffel (um 1682; S. 1041) diesemhochwichtigen Gegen-stände, zugleich mit Bezug auf die Weiber, mehre weitläufige Abhand-lungen widmete, worin er denn auch einmal der damit verbundenenVerschwendung sehr unwillig gedachte:Heutiges Tages regieret auchein besonderer Haar-Teuffcl bey den Mann- und Weibes-Personen,sie führen damit einen sonderlichen Pracht, lassen dieselbige weiss, gelb,bleich, roth, braun färben, mit besonderen Zangen krausen, auffreihenUnd puffen. Wieviel tausend und aber Ileichsthaler werden vor Paruqvenbezahlet? die mancher gar wol entrathen könte, weil er sonst Haar gnugauff seinem Kopffe hat. Wie viel hundert Ducaten verstieben mit demHaarpouder? Die stinckcnde Paniken bestreuet mancher mit köst-lichem Poudre de Cypre, also dass er eines Müllers Sohn nicht ungleichsichet; oder man doch zum wenigsten vermeinen sollte, dass er denKopff imMeelsacke gehabt hätte. Vor andern hat der AlamodischeHaar-Teuffel sein Spiel mit den Alamodischen Locken, so man überHie Stirn und Gesicht herunter hangen lasset, wie die lockete Wasser-bund, mit sonderbaren Haarhauben, so von frembden Haar gemachet,Und auff das Haupt, als wanns natürlich Haar, gesetzet werden; lassenihnen güldene Feilspäne darein streuen, auch wol gar Gold dareinHechten; u. s. w.

Und nicht viel anders verhielt es sich mit dem Uebrigen.DennUnsere Teutsche Mode wie jener Freud weiter bemerkteso wiretwa Selber auszsinnen, hat nicht ein solches Ansehen, ist uns auch nichtso wol anständig, wie die Frantzösische; Alss w r eiss daliero Franckreichsich auch gar klüglich und meisterlich in unsere Thorheit zu schicken,Und unsere Verthunlichkeit nur desto mehr zu entzünden, indem estäglich immer neue und neue Inventiones oder Erfindungen hat, stetse >ne neue Mode über die andere (welche denn mehr Gelächter und Ver-achtung, als sonderbalires Ansehen verursachen) herfürbringt, und solchez u Wasser und zu Lande, mit Wagen und Schiffen herzuführet, denboffärtigen Teutschen das Geld aus dem Beutel zu schwatzen, unduit allerhand Phantastereyen, Hasereyen, Lumpereyen, liederlichen Kin-A er - und Narrenpossen zu entwenden, und sich durch unsere Verschwen-dung und Verthunlichkeit zu bereichern. Die französischen Formenbatten eben seit lange im Allgemeinen den vollsten Sieg davon getragenUnd dieser jeden Widerstand dagegen zu einer nur noch vereinzelt per-s ön lieh eil Ansicht herabgestimmt. Selbst auch die Eiferer waren die-sen Formen, mindestens ihrem Gesammtgepräge nach, mit seltenen Aus-nahmen mehr oder weniger unterlegen, und so auch zum Theil sogardie Geistlichkeit, obschon sie sich zufolge ihrer amtlichen Stellung aller-dings stets auf eine bestimmtere, einfacher bemessene Tracht verwiesen