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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
engeren Sinne sammt der städtischen Bevölkerung der von der Haupt-stadt entfernteren Gebiete, verharrte in noch höherem Maasse, wie inSchweden und anderen Ländern, bei den gewohnten Gestaltungen, oderdoch bei dem Bestreben die einmal nicht mehr abzuwehrenden Neuerun-gen ihnen thunlichst anzupassen. Demähnlich aber verhielt es sicheben auch in dem Kreise, in welchem sich die französischen Formen zu-nächst und in weiterem Umfange festsetzten. Sogar auch in seinem Be-reiche geschah dies nicht ohne Forterlialtung von mancherlei Herkömm-lichkeiten, mehrentheils selbst noch über jenen Zeitpunkt hinaus. Undbeschränkte sich dies keineswegs etwa auf nur untergeordnetere Dinge,sondern gehörten dazu, seitens der Männer, sowohl die bauschige, untengeschlossene Kniehose als auch die glatte, offene „Schlumperhose“, sei-tens der Weiber aber, der ausgespannte Bock nebst Hüftbausch, und,seitens beider Geschlechter ziemlich gleichmässig, verschiedene, kürzereund längere mit Pelz ausgeschlagene rock- oder mantelartige Ueber-gewänder mit und ohne kapuzenförmigen Kragen. — Demzufolge fanddenn auch noch Christian IV. während seiner langen Regierung (bis 1648)kaum schon mehre Veranlassung zur Aufstellung oder gar häutigerenWiederholung von besonderen Verordnungen gegen Neuerungen imKleiderwesen. Die Bestimmungen, welche er über diesen Punkt fest-setzte, galten bei weitem weniger den Dänen, als vielmehr den Deut schen von Schleswig-Holstein (S. 1058), die hierin allerdings ihrensüdlichen Stammverwandten nichts nachgaben. Freilich blieben auchdie Dänen von ähnlichen Verfügungen nicht gerade gänzlich verschont,indessen handelte es sich bei diesen nicht eigentlich um Unterdrückungeiner etwaigen „Verwelschung“, sondern noch immer wesentlich, nurjetzt mit verstärkter Bücksicht auf den Unterschied von Rang und Stand,um eine Beschränkung des Aufwands an sich. Auch lautete in diesemSinne selbst noch eine Verordnung, welche im Jahre 1655 Friedrich III-erliess, worin derselbe „gegen die Kleiderpracht und die Ueppigkeit, be-sonders des Adels überhaupt“ noch eigens auch desshalb ankämpfte, da„durch die Verschwendung, auch bei Hochzeiten u. s. w. grosser Geld-mangel eingerissen sei“. Es war zugleich der Zeitpunkt, von da ansich die französische Tracht "allgemeiner verbreitete. Nicht lange, so be-gannen denn Klagen auch darüber laut und lauter zu werden. Jedoch,nachdem der Durchbruch einmal geschehen, griffen die Neuerungen vonOben herab nur um so rascher tiefer und tiefer. Gleich Friedrich IH-selber überlicss sieh ihnen fast gänzlich. Und bis zur Mitte der sechs-ziger Jahre verdrängten sie bei den gebildeteren und begüterteren Stän-den der tonangebenden Städte durchweg, voraus beim weiblichen Ge-schleckte, von heimisch überlieferten Formen ebenfalls nahezu jedenRest.