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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1061
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A. Tracht. Schweden; Dänemark . Kleid, im Alfgem. (1600—1700). 1061

Selbst das Ableben des Königs änderte darin, vorerst wenigstens,nicht viel. Namentlich die Männer, welche ihm nahe gestanden, die aberauch zunächst noch fiir ihr Geschlecht überhaupt den Ton angaben,blieben mehrentheils seinem Vorbilde getreu. Nicht in dem gleichenMaasse allerdings das weibliche Geschlecht, das sich nun seiner bisherja nur zurückgedrängten Neigung bald freier überliess. Die Erbin desThrons, Christine (bis 1G54), ging selber hierin voran. Bei ihrer wach-senden Vorliebe für das französische Wesen, begünstigt durch ihrenHang zur Verschwendung, fand auch die französische Tracht, von ihrausgehend, vor allem bei den Damen des Hofs, und so auch allmäligbei denen der höheren und begüterteren Stände nur zu willkommeneVerbreitung. Nicht lange, so griff dies auch nach anderen Seiten umsich. Und wie sich eben unter dem Einflüsse der Königin, unter ihrersteigenden Willkür und Absonderlichkeit das Hofleben demgemäss her-ausbildete, sahen sich denn alsbald auch die mit dem Hofe enger ver-bundenen „Herrn“, wie insbesondere die „Hofleute“, zu dem gleichenVorgehen genöthigt. Ihnen folgte der jetzt wiederum stark bevorzugteAdel durchaus, hauptsächlich aber sein jüngeres Geschlecht, was sodannnicht minder die übrigen Stände, wie namentlich auch deren männlicheTugend, zur Nacheiferung veranlasste, also, dass bereits bis Karl X.Gustav (1654) die Regierung antrat, innerhalb der Grossstädte bei beidenGeschlechtern der höheren und gebildeteren Klassen die französischeTracht, mit nur geringen Abschwankungen im Einzelnen, die Herrschafterrungen hatte. Nur die nordische Nüchternheit verleugnete sich indessenauch weder bis dahin noch ferner. Sie hielt, wie von vornherein,durchgehend von einer völligeren Nachahmung der in Frankreich so viel-fach beliebten iiussersten Ucbertreibungen zurück, und bewahrte derHesammtgestaltung ein immerhin verhältnissmässig gediegeneres, minderauffälliges Gepräge. Dessenungeachtet aber fehlte es auch hier nicht anWahnungen und Verordnungen gegen die Neuerungssucht und den Auf-wand, obschon man darin allerdings milder, und bei weitem nicht mitsolcher Kleinkriimerei verfuhr, wie dies vor allem in Deutschland geschah.

Dänemark hielt an dem Herkömmlichen dauernder fest. Wie sichdie Dinge im Ganzen gestalteten (S. 965 ), währte der Kampf der be-stehenden Tracht mit den (neuen) französischen Formen bis zu derenaachhaltigem Uebergewicht mindestens bis um die Mitte des Jahrhun-derts. Ebenfalls nur ausgehend von den höchsten und höheren Ständen,Waren es auch erst nun lediglich diese Stände, innerhalb welcher sichderselbe entschied. Was nicht zu ihnen zählte, wie denn das Volk im