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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

aus dem Kriegsgebrauch, zunächst die Handbögen und Armbrüste,sowie die Morgensterne, Flegel, Kriegsgabeln u. dergl.; balddarauf, nur noch mit seltenen Ausnahmen, die Aexte, Sattel-hämmer und Streitkolben, welche fast lediglich den östlichen Völ-kern verblieben; und nicht lange danach (etwa seit 1640) auch dieDolche und die mehr messerartigen kurzen Wehren. Wie diePfeilgeschosse durch die grossen Handfeuerrohre, so wurden nun jeneHieb- und Stosswaffen zumeist durch die kürzeren Handfeuergeschosse,. dieFäustlinge, Puffer u. A. verdrängt und vertreten.

Das Schwert setzte sich als geradklingige, ein- oder doppelschnei-dige Hiebwaffe mit Faustbügel oder Handkorb fort, freilich unter wech-selnder Länge und Breite und sehr verschiedener, oft höchst künstlicherDurchbildung des Griffs, welcher auch ferner gemeiniglich schmuckvoll,aus gebogenem Stangenwerk, nunmehr bisweilen selbst zwiefach (über-einander), alsDoppelkorb, beschafft ward. Die zweischneidige Kling®wurde in einzelnen Fällen, aber nur bis gegen die Mitte des Jahrhunderts,jederseits kurz wellenförmig ausgeschliffen. Während der vierziger Jahrekamen, vor allem inEngland, kürzere, ziemlich'breitklingige Schwertermit fast völlig geschlossenem, nur mässig durchbrochenem Korbe auf.Ihrer bediente sich vorzugsweise die Reiterei der Puritaner. Nebendem (geraden) Schwert gelangte, von Ungarn und Polen ausgehend,der (gebogene) einschneidige, starkriiekige Säbel oder Degen zuvörderstbei den kaiserlichen Truppen zu mehrer Verwendung. Anfänglich fastallein vonKroaten undHitsseer (Husaren) geführt, ward derselbe(etwa seit 1640) auch von anderen, selbst von Fusstruppen angenommen,und seit dem Ende der siebenziger Jahre alsPallasch a in noch wei-terem beliebt. Die Klinge, im Ganzen nur mässig gebogen, war ent-weder durchaus einschneidig oder auch rücklings,, doch nur an der Spitz®kaum über eine Spanne lang, geschärft; der Griff, erstlich nur mit Stich-blatt und Bügel, später (gemeiniglich von Messing) mit einem einfachenStangenkorb ausgestattet. Ausserdem behauptete sich das (spanische)Rapier als Stossdegen; aber auch wesentlich nur in seiner Eigenschaftals einer mehr auf den gewöhnlichen Verkehr abzweckenden, ausserkrie-gerischen Zier- und Vertheidigungswaffe. Sein Griff nebst StichblattoderGlocke erfuhren somit auch fortdauernd eine zierliche Behandlung,vornämlich, um den Stich des Gegners abzufangen, in netz- oder sieb-artig durchbrochener Arbeit. Und eben, auch nur in solcher Eigenschafterhielt sich, zugleich als Begleiter des Rapiers, der Spitzdolch, dasStilet jedoch auch so im Ganzen nicht viel länger als bis um 1650. Von den sonstigen Hiebwaffen fanden fast lediglich noch die langenBeidenhänder, zum Theil alsFlammberge, bis gegen denSchluss der dreissiger Jahre hin und wieder Anwendung (S. 762).