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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Wappen und Namenszug des Fürsten , dagegen sich bei den eigentlichenParadestücken, wie namentlich bei den Spontons von herrschaftlichenLeibgarden, ein oft ausnehmend reicher Schmuck nicht nur auf die Klinge,sondern auf den Schaft u. s. w. erstreckte, welcher gelegentlich mit far-bigem Sammt bezogen, mit glänzenden Nägeln beschlagen und reichemPuschelwerk ausgestattet ward. So unter anderen führte die LeibgardeLudwigs XIV. derartig geschäftete Spontons, deren Klingen eingravirtden Spruch „nee pluribus impar umgeben von Figuren und trophäen-artig behandelten Verzierungen, in theiiweiser Vergoldung, zeigten. 1
Das „Bajonet “ , welches schliesslich alle diese Wehren überwand,ward als Nachahmung des Gebrauchs der Malaien, ihre Messer auf dieHandfeuerrohre zu stecken, von den Holländern eingefiihrt, hierauf inBayonne verbessert, etwa im Jahre 1670 zunächst im französischen Heere, und sehr bald danach in allen Heeren ziemlich durchgängig äti-gewandt. Anfänglich nur eine lange, messerartige, zweischneidige oderspiessförmige, dreikantige Klinge, mit einem hölzernen Schaft zuinein setzen in den Lauf, wurde es gegen den Schluss des Jahrhunderts,mit Beseitigung des Schaftes, unten, zur Seite, mit einer kurzen me-tallenen Röhre versehen, dergestalt dass es vermittelst derselben umden Lauf gesteckt werden konnte, mithin das Feuern gestattete.
Die Handfeuerwaffen vervollkommneten sich nach verschiedenenSeiten, wenn auch langsam, doch um so nachhaltiger. Es betraf diessämmtliche Arten (S. 770) fast gleiclnnässig, und äusserte sich vorerstallerdings wesentlich nur in noch zweckentsprechenderer Gestaltung derSchäftung, sowie auch, namentlich in Betreff der langen „ Musketen“ und»Arkebusen in noch weiterer Verminderung der Schwerfälligkeit, biszu möglicher freierer Handhabung ohne Stützgabel. Letztere wurdein Holland bereits um den Beginn des Jahrhunderts, wenigstens heieinem Theil der Fusstruppen, aufgegeben (Fig. 379 a), etwa zwei Jahr-zehend später bei den Schweden durch Gustav II. Adolf, und seitden vierziger Jahren überhaupt mehrentheils abgeschafft. Bei weitemschwerer verstand man sich zu einer durchgreifenden Veränderung desSchlosses. Ungeachtet der Vorzüge, welche das „Radschloss“ undder sogenannte „Schnapphahn“ (S. 768) vordem altherkömmlichen„Luntenschloss“ darboten, behauptete sich bei den niederen Truppendennoch letzteres selbst bis in die sechsziger Jahre vorwiegend, immer-hin erst in verluiltnissmässig geringer Zahl, auch besonders nur an demfür die Reiterei bestimmten „ Caliver “, „ Carabin“, „Dragon“ und „Fäust-ling“ durch das „Radschloss“ ersetzt. Kurz vor jener Zeit (spätestens
Vergl. Llevelin Meyrick. Abbildung und Beschreibung von altenWaffen und Rüstungen u. s. w. übersetzt von Gt. Finekc Taf. LXXXIX.