1102
III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.
Ende der siebenziger Jahre, nachdem ihr bereits der Gebrauch, dasnatürliche Haar lang, bis auf die Schultern herab wachsen zu lassen,den Weg dazu vermittelt hatte. Auch der gestutzte Bart entging derAnfechtung nicht, wusste sich jedoch von vornherein dagegen zu ver-wahren. — In Deutschland pflegte die Geistlichkeit gemeiniglich schonseit den vierziger Jahren, nächst einem schmalen Lippenbart, das Haarziemlich lang zu tragen. Zwar liess man es auch hier nicht an Ver-suchen fehlen dies zu beschränken, wie denn unter anderen schwäbischenGeistlichen durch Synodal-Beschluss in den Jahren 1665 und 1668 einübermässig langes Haar untersagt wurde, doch blieben solche Verbotevereinzelt lind ohne weiterwirkende Kraft. Demähnlich verhielt es sichdann aber auch in Betreff der Perrücke. Man nahm es auch damitnicht so gewichtig wie in Holland , und begnügte sich, nachdem sie fastgleichzeitig wie dort durchgängiger Aufnahme gefunden hatte, nur nochihren amtlichen Gebrauch in Frage zu ziehen. Ueber diesen Punktfreilich gingen die Ansichten mindestens bis zu Anfang der neunzigerJahre mehrfach scharf auseinander. Da indessen erklärte der Landtagzu Dresden im Jahre 1692 „dass die Geistlichen mit guten GewissenPerrücken tragen dürfen,“ und bald darauf, im Jahre 1694, der wohl-weise Magister Johann Philipp Gros in Leipzig „dass es ebensowenigsündlich sei, sich der Haare der Thiere zur Bedeckung des Hauptes zubedienen, als der Wolle oder der Felle.“ Hiermit war die Sache ent-schieden. Und während sich nur noch Wenige in eigenwilliger Gegner-schaft gefielen, es vorzogen ihr Haupt, selbst ausseramtlich, höchstensmit einem schwarzen Sammetkäppchen, dem „solideo ,“ zu bedecken(Fig. 383 b), erschien die Geistlichkeit fortan, ohne Unterschied des Be-kenntnisses , in dem von ihr als so ungemein würdestrahlend erachteten)langwallenden Lockengehäuse.
B. Das Gerät h. 1
Die Umprägung welche die „Renaissance,“ vor allem in der ^ er "zierungsform und deren Verwendung erfahren (S. 812), trug in dem
1 Zu den schon (S. 807, S. 399) genannten neueren Werken, insoweit sieauch für den vorliegenden Zeitraum mancherlei Treffliches enthalten, sind alssolche hinzuzufügen: Ovide Reynard. Ornements des anciens maitres deXV e , XVI«, XVIIe et XVIIIe siecles. Paris 1844. Daniel Kamee. Meublesreligieux et eivils conserves dans les principaux monuments et musees de l’Eu-rope. Choix de reproductions des plus remarquables specimens executes dans Ißcour du Moyen-ftge, de la Renaissance et des regnes de Louis XIII. , Louis XIV ,