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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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III. Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

bürg aus, unter denen Johannes Buschmann mit den ersten Rang ein-nahm. DasSchneiden in Eisen an sich ward, ausser zu blosserVerzierung, auch zur Herstellung von selbständigen Werken fortgeiibt,doch beiderseits gleichfalls in stark abnehmendem Maasse; dies zu ersteremZweck um so mehr, als sich die metallene Kriegsrüstung, zumal auchhinsichtlich des Schmucks ungemein vereinfachte (S. 1079). In Betreffeben dieses Punkts sah sich der kunstgemässere Eisenschnitt schon baldfast ausschliesslich auf Fertigung von Schwertknäufen, Schwertgriffen,Degengefässcn u. dergl. verwiesen. Doch auch anderweit beschränktesich diese Bethätigung fast nur noch auf eine Beschaffung von Gegen-ständen geringeren Umfangs, wie Kapseln, Kästchen, Medaillons, halb-erhobenen Bildnissen, und, obschon nur höchst ausnahmsweise, von Einzel-figuren und Figurengruppen. In solcher Weise thätig, 1 2 erwarben sichvorzüglichen Ruf Christoph Ritter (bis 1676), Hanns von der Rüth (bis1650), beide .zugleich als Stempelschneider, und Gottfried Leigebe inNürnberg (16301683). Der Letztere hat, wie gleichzeitig berichtetwird, 8neben mehr anderen schönen Dingen, als Wehrcreuz (Schwert-griffe) und dergleichen, auch aus einem Stück, welches 29 Pfd. gewogen,Ihro Röm. Kayserl. Maj. Leopoldum, zu Ross sitzend, und nachmahls,aus einem anderen Stück Eisen, über 67 Pfd. schwer, Carolum II. Königvon England, unter dem Bildnus des Ritters S. Georgen zu Pferd mitunter sich habenden siebenkopffigten Drachen, in einem Stück ganz freiherausgeschnitten, und an jenem bei Jahr und Tagen, an diesem aberüber zwei Jahre continuirlich gearbeitet. Er hat auch ein ganzes Schach-spiel von Eisen, sehr künstlich verfertiget. Ist von hier an den Berliner Hof kommen. Ein von ihm aus dem Ganzen geschnittenes Reiterbildnis®

des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg , ebenfalls als S. Georg,das jedoch bei allem Kunstaufwande ziemlich schwerfällige Verhältnissezeigt, besitzt das königl. Museum in Berlin . 3 * * Eine eigene Art vonKunstspielerei, die folgends gelegentlich geübt wurde, bildeten metalleneSpiegelplatten mit einpunktirfen Darstellungen, dergestalt, dass für dieSchattengebung die Spiegelfläche verblieb, also dass die Darstellung selbsterst bei Abspiegelung eines dunkelen Gegenstands zur Erscheinung kann

Auch die Kupfer- und Messing- oderRothschmiede be-schränkten sich immer allgemeiner auf Gegenstände, die lediglich denBedürfnisszwecken entsprachen, auf Beschaffung von Kesseln, Kannen,Feuersorgen, Lichterständern u. s. f., und auf Verfertigung von Einzel'

1 F. Trautmann . Kunst und Kunstgewerbe u. s. w. S. 55.

2 Johann Neudörftfer. Nachrichten u. s. w. S. 79.

8 Vergl. F. Kugler. Beschreibung u. s. w. der königl. Kunstkanun® 1,

S. 246. Das Reiterbild des Kaisers Leopold befindet sich im Museum zu Kopen

hagen, das Carls H. von England in der Kunstkammer zu Dresden .