Geräth. Kunsthandwerk u. s. w.: Eisenschmiede, Schlosser (1600—1700). 1121
zeitiger und fester gliederte, und auch bei den sogenannten „Kunst-schmieden“ der eigentlich künstlerische Betrieb beträchtlich abnahm, biszur Verflachung. — Von den Eise lisch mieden beschränkte sich derbei weitem grösste Theil auf die Beschaffung von Gitterwerken zu Um-friedungen, Pforten, Geländern u. dgl., worin denn zunächst noch aller-dings, doch auch nun zumeist nur noch nach Vorlagen tüchtiger Kunst-zeichner, 1 manches Vorzügliche gefördert wurde. Andere verlegten sichjetzt lediglich tlieils auf blosse Grobschmiedearbeit, wie solche fortannamentlich der Wagen- und Maschinenbau beanspruchte, tlieils als»Klingen- oder Messerschmiede,“ „Zirkelschmiede“ u. A. auf Verfertigungv on Werkzeugen, noch anderntheils als „Kleinschmiede“ und „Schlosser“einzig auf die Herstellung von mehr untergeordneten Gegenständen undgewöhnlicheren Schlosserarbeiten. Der Geschmack für eiserne Geräthe,wie Tische, Stühle, Kästchen, Truhen, Kronleuchter, Lichterständer u. dgl.v on eigens kunstvollerer Durchführung, sowie auch für besonders künst-liche Schlösser und Schlüsse], und für sonstige, rein mechanische Kunst-arbeiten, fand allmälig, vorzüglich seit der Mitte des Jahrhunderts, über-haupt nur noch eine Stütze in einer begrenzten Liebhaberei. So aberfehlte es denn freilich auch ferner nicht an Solchen, welche sich nachdieser Seite hin bethätigten, doch wurden sie eben immer seltener, undv or alllem die Verfertiger von mechanischen Künsteleien, bei der zuneh-mend praktischeren Richtung der Zeit, stets mehr darauf verwiesen ihreKräfte in Erfindung und Ausbildung von nützlichen Werken und Ma-schinen zu verwerthen. Mit zu jenen „Kunstschmieden,“ die noch zu-meist an der älteren Weise festhielten, zählten, nächst einigen vorzugs-weise berühmten Schlossern , 1 Michael Man in Nürnberg (gest. 1630),der „ein besonderes Belieben hatte fast beständig kleine eiserne TrühleinZu machen, die er mit künstlichen subtilen Schloss- und Riegelwerkenv ersah, sauber ätzte und schön vergoldete;“ sodann Bartholomäus Hop-P er t,* geboren im Jahre 1648 zu Roth im Ansbachischen (gest. 1715),Welcher kunstvolle eiserne Truhen mit erhobenen Laub- und Bildwerken^au ch allerlei neue Werkzeuge und künstliche Schlosserwerke fertigte, und»sich durch seine Kunstarbeit bei grossen Herrn viele Gnade erwarb,“u °d Jobst Pröbes zu Nürnberg (1640—1706), der, nächst verschiedenenhfruck-, Präg-, Schneide- und Streckwerken, einen grossen eisernen Be-hälter mit zwei Thüren herstellte, welcher nach gleicher Art, wie manReiche aus Holz baut, mit schönen Leisten und Zierrathen aus polirtem
'sen geschnitten war. Auch zeichneten sich immerhin noch Mehre durch
ßrfertigung von äusserst künstlichen Uhrwerken vornämlich in Augs-
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1 Vgl. die oben (S. 1103) angeführten Werke von Louis Fordrin und D. Marot.A. Berlepsch. Chronik der Feuerarbeiter. S. 185.
Vgl. A. F r e n z el. Der Führer durch das historische Museum zuDresden. S, 10.
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l8 8, Koetümkunde. III.
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