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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1124 IIL Das Kostüm des 17. Jahrhunderts.

in Bleiguss, theils, so vornämlich derartige Geräthe, zumal wenn fürdie Kirche bestimmt, in Messing, alles Weitere indessen gemeiniglich inSchmiedeeisen ausgeführt. Desgleichen nun aber auch kleinere Zier-gegenstände, wie Beschläge zur Ausstattung von Möbelwerk, Thürklopfer,Thürklinken u. s. f., zumeist von Messing beliebt. Somit denn beschränktesich der Bronzeguss im Allgemeinen mehr und mehr auf eine Herstellungvon verhältnissmässig kleinen Figuren, Figurengruppen, Büsten undallerlei halberhobenen Darstellungen, worin sich allerdings noch immerEinzelne als Künstler zu bewähren wussten . 1

Die Behandlung des Glases erfreute sich einer ausnehmenden För-derung sowohl durch den sich mehrenden Gebrauch von gläsernen Ge-schirren, Spiegeln u. s. w., als auch durch Erfindungen von weitergrei-fender Bedeutung. Die den Venetianern ausschliesslicher bekanntenVerfahrungsweisen zur Herstellung künstlicher Glasflüsse und manigfal-tigster Kunstgläser (S. 845) wussten sie auch ferner meist so geheim zuhalten, dass die nun überdies steigende Liebhaberei für derartige Pracht-gefässe vorwiegend auf sie verwiesen blieb, dagegen nun ausserhalbVenedigs der Betrieb aber nach anderen Seiten eine Durchbildung erfuhr,mit welcher dann selbst die Venetianer kaum Schritt zu halten ver-mochten. Es begann dies, abgesehen von mehr vereinzelten versuchs-weisen Vorgängen, zugleich mit der Blüthe gläserner Prachtgeschirreüberhaupt, gegen die Mitte des Jahrhunderts vor allem in Frankreich ,und bald darauf auch in Deutschland und den Niederlanden. Wohlam längsten stand Spanien zurück, das seinen Bedarf, wie an so Vie-lem , auch an derartigen Waaren hauptsächlich aus der Fremde bezog-Selbst England folgte nur langsam, wo, nachdem hier Robert Mansellim Jahre 1617 das Privilegium zur Einführung von Glas waaren ertheiBworden war (S. 847), der inländische Betrieb erst durch den Herzog vonBuckingham einen nachhaltigen Anstoss erhalten sollte, indem er um1670 mehre venetianische Glasarbeiter kommen Hess, die freilich auchvorerst nur eine Werkstätte für gläserne Spiegel mit abgeschrägten, g e 'schliffenen Rändern (ä biseau) errichteten, s In Frankreich bliebder Betrieb hauptsächlich auf Beschaffung eines möglichst farblosenGlases beschränkt. Zwar Hess man es auch ferner nicht an Versuchenzur Herstellung verschiedener, farbiger Kunstgläser fehlen, indessen wa*der Erfolg noch immer viel zu schwankend, und namentlich auch zuwenig einträglich, um den Fortgang gerade dieses Zweiges zu begünstigen-Zu den von Heinrich IV. begründeten Glashütten (S. 847), die, ungeachtetdes steigenden Bedarfs, ins Stocken geriethen, erhoben sich andere Werk-

1 Verg). unt. and. F. Trautmann . Kunst und Kunstgewerbe. S. 182 ff-A. W. Franks. Observations on glas and enamel. Lond. 1858.