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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1125
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B. Geräth.Kunsthandwerk u. Gewerbe: Glas-Arbeit (16001700). H25

statten, die nun, neben der Verfertigung von gewöhnlicheren Gebrauchsge-schirren, ihre Thätigkeit vorzugsweise der Herstellung von grösseren Glas-tafeln, zu Spiegeln u. dergl. widmeten. Um 1634 erhielt zu eben dem^weck Eustache Grandmon ein königliches Privilegium, kam jedoch nichtzu gewünschtem Ziel, so dass er sich bald veranlasst fand solche Arbeiteinzustellen. Und im Jahre 1640 ward durch den König seinem Hof-töpfer Antoine Clerid nebst einigen Mitunternehmern abermals ein Pri-vilegium auf den Betrieb einer Glashütte (verrerie) zu Fontainebleau ausgestellt, 1 welches Unternehmen indessen gleichfalls jenes Ziel nochnicht erreichte, und sich denn bald nach seiner Eröffnung (um 1642) fastlediglich auf eine Beschaffung von sonstigen Nutzgegenständen zusam-fl'enzog. Aber was diesen als Privatunternehmern nicht gelang, solltedennoch, unter thätiger Förderung des Finanzministers Colbert , zu vollemAustrag kommen. Nicht lange nachdem derselbe sein Amt angetreten,bereits um 1665 ermuthigte er den als besonders geschickt anerkanntenGlasarbeiter Nicolaus Dunoyer zur Nachahmung venetianischer Spiegel,indem er diesem dazu nicht nur die königliche Bestätigung, vielmehr auchsofort einen Zuschuss von 12,000 livres auf vier Jahre anwies. So vonStaatswegen unterstützt, vermochte Dunoyer im Verein mit Poquelin,e iuem Händler mit venetianischen Spiegeln, venetianische Arbeiter ausAftirano heranzuziehen, eine eigene Werkstätte zu Tourlaville in derNieder-Bretagne herzurichten, und mit gutem Erfolge in Betrieb zu er-halten. Ein solcher Erfolg aber wirkte weiter. Ungeachtet nach demTode Colberts (1683) das Privilegium dieser Werkstätte auf dreissig JahreVerlängert wurde, trat mit ihr alsbald (um 1684) Abraham Thewardln einen Wettstreit, nachdem es auch ihm gelungen war ein Privilegiumv °fl gleicher Dauer zu erwirken. Das nächste Ergebniss hiervon war,dass, während jene Werkstätte wesentlich bei ihrem herkömmlichen Ver-fahren beharrte, Theward dies eigenschöpferisch zu überbieten suchte,And so, im Jahre 1688, denSpiegeltafel-Guss" erfand. In Folge dessenaber gelang es ihm fehlerfreie Spiegeltafeln selbst bis zu 84 Zoll HöheUn d 50 Zoll Breite herzustellen, mithin zugleich jener älteren Werkstättebon Rang vollends abzugewinnen. Anfänglich zu Paris thätig, verlegteer bald darauf seine Werkstätte nach dem Schlosse St. Gobin in derTicardie, sie hier ausserordentlich erweiternd. Jene ältere Werkstätteffldessen blieb demgegenüber keineswegs unthätig, sondern machte ihremglücklichen Nebenbuhler so viele Umstände, ihn in so lästige Streitigkeitenbineinziehend, dass beide (um 1695) es für gerathen hielten sich in St.Gobin, unter der Oberleitung Francois Platriers dauernd zu vereinigen.The gegossenen Tafeln aber erwiesen sich als in solch hohem Grade

1 M. De Laborde. Notice des emaux etc. II. S. 429.