Geschichtliche Uebersieht.
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Lebensnerv 3er Volkspartei doch allzu scharf. Wie denn auch gleichder Parteikampf sich erneuerte, war indessen auch diese Bewegung, na-mentlich in der Weise in welcher sie sich, ohne bestimmten Plan, nachallen Seiten verwickelte und immer heftiger entfaltete, gerade erst rechtdazu angethan den Zustand noch zu verschlimmern. Mit dem ErscheinenFriedrich Wilhelms II. von Preusssn aber, und der dadurch bewirktenWiederbefestigung Wilhelms V. (1787), war es dann auch um die Selb-ständigkeit des Volks geschehen, und der Staat an sich bereits so tief herab-gedviickt, dass er nur noch als ein Staat dritten Ranges mitzählen konnte.Dessenungeachtet galt sein Handel auch jetzt noch, nächst dem engli-schen, als der ausgebreitetste, und für den Geld- und Wechsel verkehrAmsterdam als der wichtigste Platz.
Aber so wenig die Volkspartei geneigt war, sich dem zu fügen,ebenso eifrig verfolgte sie den Gang der Wirrnisse in Frankreich , hoffenddaraus Nutzen zu ziehen. Die alsbald in den östreichischen Niederlandenanhebenden Unruhen kamen dem entgegen. Dass Wilhelm V., bei seinerHinneigung zu Ludwig XVI. , sich in keiner Weise regte, hielt den Laufder Dinge nicht auf. Und als nun Frankreich selber, sofort nach seinerBesitznahme von Belgien (1792), nächst England auch den Erbstaaten(1793) den Krieg erklärte, sollte sich dann auch die Hoffnung der Volks-partei verwirklichen. Mit dem (seit 1794) stets siegreichen Vordringender Franzosen öffnete das Volk ihnen überall die Städte, und, nachdemso der Statthalter vorgezogen hatte nach England zu gehen, gestaltetees den Staat, unter Umbildung seiner Verfassung nach französischen Grundsätzen, zu einer Schwester-Republik Frankreichs (1795). — Dochder Erfolg entsprach den Erwartungen nicht. Abgesehen, dass dadurchder Staat nun auch den letzten Schein von eigenheitlicher Selbständigkeitcinbüsste, ja im Grunde genommen als solcher vernichtet war, wurde erbei den sich fortan bestreitenden Interessen nun geradezu ein Spielballderselben. Fortschreitend mit den Staatsschulden, steigerten die Abga-ben sich rasch bis zur Unerschwinglichkeit, während damit nun auchder Handel in dem ähnlich zunehmenden Grade erlahmte, bis dass er sichschliesslich, zufolge der Einführung des Continentaisystems (1806), selbstvon Amsterdam fort-, fast lediglich nach London wandte. An Abhülfeaber war vorerst kaum zu denken; um so weniger, da inzwischen nahezusämmtliche Colonien den Briten zugefallen waren, und weder die durchNapoleon bewirkte Einsetzung seines Bruders Ludwig als König (1806bis 1810), trotz dessen gute Absichten, noch Frankreichs Oberherrschaftüberhaupt (bis 1813) merklich bessernd eingrifif.
Wie trüb mithin die staatlichen Verhältnisse sich von vornhereinvollzogen, änderte sich in der Lebensweise als solcher im Ganzen dochn ur sehr wenig. Eingelebt in Wohlhäbigkeit, und bei allem Unglücke stets