1180 rV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
vorwiegend auf den Handel gerichtet, diesen als wesentlichen Ausgangs-punkt aller Thätigkeit betrachtend, mit stolzem selbstgenügendem Bewusst-sein im Rückblicke sowohl auf die einstige Grösse als auch darauf,. Eng-land einen König und mit ihm zugleich eine freie Verfassung gegebenzu haben, beharrte das Volk im Allgemeinen bei der einmal gewohnten. Form. Eigentlich nur mit Ausnahme des Hofs, der im Haag seinen Sitzhatte, und der mit ihm verkehrenden oder sonst näher gerückten Kreise,sowie hie und da einzelner besonders Begüterten, die ihm nachalimten,fand zumal die französische Sitte und Lebensform, selbst noch bis nachder Mitte des Jahrhunderts nur wenig Anklang. Desgleichen wich erstspät, und auch nur vereinzelt, der seither durchweg eingehaltene mehrnüchterne solide Aufwand dem blendenderen französischen Luxus, dessenVerbreitung auch überdies die sich stets misslicher gestaltenden äusserenUmstände nicht eben günstig waren. In Folge der engeren Verbindungmit Frankreich seit der französischen Revolution trat dann allerdingswohl eine weitere Wandlung zu Gunsten der Französirung ein, doch voll-zog auch diese sich noch wesentlich nur innerhalb der gebildeteren Klassen,und auch hier nur mehr äusserlich. — Anders freilich in Belgien , wonun der daselbst seit lange lebendigere französische Einfluss von vorn-herein, zugleich mit stetig weiterer Verbreitung der französischen Sprache,in einem Maasse zunahm, dass er alsbald selbst beim niederen Volkenahezu jede Spur von eigenheitlicher Volksthümlichkeit verwischte. Auchblieb hier der Handel, ungeachtet dass derselbe seit Sperrung der Scheldefast einzig auf Landhandel eingeschränkt wurde, wie für den holländischen,so auch für den englischen und deutschen Handel immerhin von Wich-tigkeit. —
In der Reihe der deutschen Staaten verharrte Oestreich in demBestreben seine Rangstellung als Kaiserreich zu wahren. So wenig Leo pold I. bei seinen fast beständigen Kämpfen mit Frankreich , Ungarn und der Türkei für das Land im Grunde hatte thun können, befand essich doch, als er dasselbe zugleich mit dem spanischen Erbfolgekriegeseinem Sohne Joseph I. (1705) hinterliess, in so wohlgesichertem Zustande,dass jener während seiner nur kurzen Regierung (bis 1711) dem erwor-benen Kriegsruhm, in jenem Kriege und dem gegen Ungarn , neue Lorbeerenhinzufügen konnte. Wohl erfreute sich das Reich, da Karl VI. (1711)den Thron bestieg, zumal bei der gänzlichen Erschöpfung Frankreichs ,einer weithin gebietenden, allseitig geachteten Machtstellung, sowie auchder Mittel sie behaupten zu können. Aber allein schon die Weise, inwelcher Karl, mehr stolz als politisch umsichtig, den Krieg gegen Spa nien (bis 1720) fortführte, war, wie eben auch sein geringes Ergebniss,solcher Stellung kaum angemessen; zudem aber mussten der gleichzeitiggegen die Türken gerichtete Kampf (1716—1718), der einzig durch Prinz