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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche Uebersicht.

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Eugen eine glücklichere Wendung nahm, und der dann wegen Erledigungdes polnischen Throns mit Frankreich und Spanien (1731) unternommeneso unglücklich endigende Krieg, als auch insbesondere der nach demneuen Türkenkriege (17371739) abgedrungene schimpfliche Frieden,das Ansehen des Reichs sogar schädigen. Daneben, was gleich schwerins Gewicht fiel, blieb der König in eitlem Stolze vor allem auf strengsteWahrung auch des bloss äusserlichen Scheins seiner Kaiserwürde, undauf möglichste Erweiterung der Macht nur seiner Familie bedacht, selbstderart, dass er, um beides zu erreichen, wie denn namentlich auch fürdie Durchführung seines neuen Hausgesetzes, derpragmatischen Sanc-tion, das in Ermangelung eines männlichen Erben die Erbfolge seinenTöchtern sichern sollte, sich zu jedem, auch noch so bedenklichenOpfer verstand.

So hatte das Reich denn freilich viel eingebüsst, auch im Innernso vielseitig tiefgreifende Störungen erlitten, als mit dem Tode Karls VJ.(1740) seine Tochter Maria Theresia mit der Kaiserkrone die Aufgabeerbte, sie vorerst den dagegen sich erhebenden Stimmen abzuringen. Fastwehrlos, eines grossen Theils ihrer Länder beraubt, einzig auf die HülfeEnglands und der Ungarn angewiesen, konnte sie, ungeachtet ihrer Er-folge, im Frieden zu Breslau (1741) der Abtrennung Schlesiens an Preus-sen nicht wehren, noch Preussen bei seiner Wiederaufnahme des Kampfs(1743) gleich nachdrücklich begegnen. Dennoch gelang es ihr, nun aller-dings in Verbindung ausser mit England auch mit Sachsen, Holland undSardinien, gegen Preussen und Baiern das Feld zu behaupten, auch mitFrankreich und Spanien einen günstigen Frieden zu schliessen (1748),und das Erbfolgerecht ihrem Gemahle Franz 1. zu sichern. In demabermaligen, siebenjährigen Kampfe mit Preussen (175617G3), auch beiallem Aufwand der Mittel bis zur Erschöpfung des Reichs, nicht glück-lich, verstand sie dann aber nur um so thatkräftiger in die innere Ver-waltung einzugreifen, dem Missbrauch der Geistlichkeit zu steuern, durchGründung und Verbesserung von Schulen und anderen Lehranstalten dieAufklärung zu fördern, Ackerbau, Handel und Gewerbthätigkeit, wieüberhaupt den Gesammtwohlstand nach allen Seiten kräftigst zu heben. Dass nach dem Ableben ihres Gemahls (1765) ihr Sohn Joseph alskünftiger Kaiser und Mitregent erklärt wurde, übte darauf zunächst kei-nen Einfluss. Noch eigens günstig aber wirkte darauf zurück der beider Theilung Polens (1772) dem Reiche überwiesene Zuwachs von Ga­ lizien und Ladomirien, sowie die kaum vermuthete Abtretung der walla-ehischen Bukowina seitens der Türken (1777). Zwar sollte dann derVon der Kaiserin eifrigst verfolgte Plan, ganz Baiern erblich an sich zubringen, durch den baierischen Erbfolgekrieg (17781779) bis auf dengeringen Gewinn des Innviertels, nicht ohne beträchtliche Vermehrung