1182 W. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart,
der Staatsschuld, vereitelt werden; trotz Allem indessen hatte sie, da siestarb (1780) dem Staate wiederum in seinen inneren Beziehungrn einefeste Grundlage zu fernerem Gedeihen, und nach Aussen eine Achtunggebietende Stellung geschaffen.
Ein solcher Umschwung (nach Karl VI. ) gab zugleich der Lebens-weise ein so um viel freieres Gepräge. Die Beschränktheit, mit welchervordem der Hof, vor allem Karl selber, die alte, noch vorwiegend nachspanischem Zuschnitte versteifte Hofetiquette fortsetzte, hielt auch dieLebensform im Allgemeinen demgemäss befangen. Die dem Volke eigenemindere Empfänglichkeit für ausheimische Sitten, welche es vor demsonst fast überall durchdringenden französischen Einfluss weit mehr, alsseine Stammgenossen bewahrt hatte (S. 962), leistete dem noch eigensVorschub. Dies nun verhinderte freilich nicht, dass bei den vornehmenund bemittelteren Ständen, mitgenährt durch die Eitelkeit dem Kaiser-reiche anzugehören, der Aufwand sich beständig steigerte, liess indesseneben doch eine ungezwungene Beweglichkeit nicht wohl aufkommen. Alsdann aber Maria Theresia , unter Beseitigung so mancher veralteter,hemmender Formen, auch den höfischen Zwang löste, und auch dem blosgeistigen Verdienst, ohne Rücksicht auf Rang und Geschlecht, den Zu-tritt zum Hofe öffnete, letzteren überhaupt dem Volke in edelsinnigerAbsicht näherte, begann auch die altherkömmliche Lebensform im Ganzensich abzuschwächen, und, bei nun immer rascher zunehmender Lebendigkeit,vorzüglich in den gebildeteren Kreisen bald selbst zum Gegentheil um-zuschlagen. Und so denn vollzog diese Wandlung sich noch vor ihremAbleben, besonders beeinflusst durch die engere Beziehung, welche derFürst von Kaunitz zu dem Hofe von Versailles (seit 1750) unterhielt,in einer eigenheitlichen Mischung des einmal überkommenen Brauchs mitweit überwiegend französischer Art zu einer bisher ungekannten heiterenLeichtlebigkeit.
Die Weise, in welcher Joseph II. (1780—1790) sich bestrebte, diegedeihlichen Einrichtungen seiner Mutter weiter zu fördern, liess ihn, beiseinem Wollen dies Alles sofort, sei es auch mit Gewalt, zu vollem Aus-trag durchzusetzen, zwar keineswegs immer das rechte Ziel erreichen,verlieh dem Gesammtleben aber nichtsdestoweniger eine noch höhereSchwungkraft. Nichts entging seiner thätigen Fürsorge. Doch war aller-dings für den Grad von geistiger Freiheit und allgemeiner Aufklärung,den er als die eigentliche Grundlage der Volkswohlfahrt erachtete, dasVolk im Ganzen noch viel zu stark befangen in seinen Ueberlieferungen,auch die Geistlichkeit noch viel zu mächtig und, zumal in Folge des g e "gen sie gerichteten scharfen Verfahrens, still zu geschäftig, als dass einderartiges hastiges Vorgehen nicht hätte rückschläglich wirken sollen-Bei allen seinen sonst so überaus erfolgreichen Bemühungen zu fernerer