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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1183
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Geschichtliche Uebersicht.

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Beseitigung von Missständen auf den Gebieten des Heerwesens , derRechtspflege und Volkswirthschaft, des Handels und der Gewerbthätig-keit, und trotz des so beständig sich bessernden Gemeinwohls, sah ersich dennoch schon nach wenigen Jahren durch den sich gegen ihn er-hebenden Widerspruch gedrängt, nicht nur in seinem Vorgehen inne zuhalten, sondern auch von seinen Maassnahmen selber die Mehrzahl wie-der aufzuheben. Und dies wie in Oestreich, so auch in seinen Nieder-landen, wozu nun ausserdem der vorerst unglückliche Verlauf des vonihm inzwischen mit Russland unternommenen Kriegs gegen die Türken(1789) den seit lange wuchernden Missmuth selbst zu offener Em-pörung steigerte.

Wie demnach die Lage des Reichs war die Gährung keineswegsschon beschwichtigt, der Türkenkrieg noch im vollen Gange und derStaatsschatz nahezu erschöpft als mit dem Tode des so bitter ent-täuschten Kaisers (1790) die Regierung seinem Bruder Leopold II , (bis1792) überkam, blieb diesem denn freilich nur übrig der vorherrschenden 'Volksmeinung zu folgen und, wenn schon gegen seine Ueberzeugung,von den noch bestehenden Einrichtungen seines Vorgängers auch nochmindestens die zumeist Anstoss erregenden zu beseitigen. Aber eben vorallem darauf bedacht, dem Lande die ihm so nöthigeRuhe zu verschaffen,mithin auch der bedrohlichen Stellung, die Preussen jetzt einnahm, gleichdurch den Vertrag zu Reichenbach (1790) begegnend, und bald daraufauch mit der Pforte (1791) Frieden schliessend, wurde er nun dennochvon den Unruhen in Ungarn und den Niederlanden ja selbst derart inAnspruch genommen, dass er auf die innere Verwaltung, bei aller Sorg-samkeit dafür, kaum einige Kraft verwenden konnte, so dass, zumal dadie Geistlichkeit wiederum völlig freies Spiel gewann, eine Umkehr zuden alten finsteren Zuständen nicht wohl ausbleibcn konnte.

Doch auch sein Nachfolger Franz II. (17921835), so gut undwohlgesinnt er war, vermochte dem so einmal begonnenen Zuge auf lange-hin nicht zu gebieten. Nicht allein durch die rasch wachsende Ausdehnungdes französischen Kriegs gleichfalls von einem thatkräftigen Eingreifenin die innere Verwaltung abgehalten, sah er sich überdies genöthigtdie Kräfte des Reichs nur noch mehr, bis zu gänzlicher Erschöpfunganzuspannen. Endete die Betheiligung an diesem Kriege dann gleichwohlmit dem im Frieden zu Luneville (1801) erfolgenden Länderaustauschnicht ohne ansehnlichen Gewinn, konnte solcher doch gegenüber dem fort-schreitenden Uebel im Ganzen auch nicht entschädigen. Allem Anstrengenaber dem Uebel zu begegnen, die Verwaltung zu klären und zu heben,stellte sich dessen nunmehrige Wucht und der fortan geradezu entschei-dende Einfluss Frankreichs unabweislich entgegen. So war es denn durchdie Lage selbst geboten dass der Kaiser sich (1804) zum Erbkaiser