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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1184 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

von Oestreich als Franz I. erklärte, und dass er nach dem abermali-gen, für ihn so unglücklich endigenden Krieg mit Frankreich (1805), nachErrichtung des Rheinbundes durch Napoleon (1806) der deutschen Kaiserwürde entsagte. War die Erschöpfung des Reichs doch derart tief-greifend, dass er vorerst nicht einmal wagen durfte sich an dem KriegePreussens und Russlands gegen Frankreich (1806—1807) zu betheiligen,er auch den Kampf überhaupt erst, nachdem er sein Heer von neuemgeordnet, nun in Verbindung mit England und Spanien (1809), wieder auf-nehmeu zu können glaubte. Um so weniger aber war mithin dasReich fähig, das Unglück, das ihm auch aus diesem Kriege erwachsensollte, wie solches in dem Frieden zu Schönbronn gipfelte, zu verwinden.Dass Napoleon des Kaisers Tochter, Marie Louise , heirathete, änderteim Ganzeu wenig. Und so stand der Staat bereits dem Abgrund nahe,als die Vernichtung des französischen Heeres in Russland (1812) plötzlichseine Lage wandelte.

Bei dem Allen verfolgte die Lebensweise als solche die ihr durchMaria Theresia einmal angewiesene, und durch Joseph II. noch schärferbezeichnete Richtung, ohne von dem darauf erfolgenden inneren undäusseren Umschlag, wenigstens der Form nach merklicher berührt zuwerden. Die seitdem gewonnene Leichtlebigkeit nahm keineswegs ab,fand vielmehr in dem fortschreitenden Unglück selber, da es doch immer-hin irgend ein Gegengewicht forderte, gerade bei der gegebenen Volks-tümlichkeit, gewissermassen selbst einen Hebel. Mit dem fortan fastbeständig sich verengenden, wenngleich zumeist kriegerischen Verkehrmit Frankreich , und den schon seit lange französirten Westländern, gelangteder französische Einfluss in dem Punkte zu voller Herrschaft. Wasvon volkstümlicher Sitte noch bestand, ging, vor allem unter stetigemVorschritt der Hauptstadt, alsbald auch in den anderweit grösseren Städ-ten, und nun auch in den mittleren und selbst niedereren Kreisen mehrund mehr, ja bis zur Unscheinbarkeit verloren. —

Von den minder umfangreichen deutschen Staaten sollte Preussensich zu einem Musterstaat erheben. Hinaufgeschraubt unter Friedrich !•durch dessen eitele Nachahmung Ludwigs XIV. zu einer blos prunkendenSchaugrösse, die in ihrer Rückwirkung, wie auf alle Zweige der Verwal-tung, so auch auf das Gesammtleben, die Kräfte des Landes aufs äus-serste überspannte, war es wohl freilich vor allem ein Glück, dass einsolches Verhalten des Königs in seinem Sohn und Nachfolger eine demgerade entgegengesetzte Richtung hervorrief 'und förderte. Allerding 3äusserte sich mit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms I. (1713 bis1740) der Umschlag sofort in schroffster Weise. Indessen eben wie dieVerhältnisse lagen, bedurfte es, um sie erst nur einigermassen auszu-gleichen, eines scharfen Gegendrucks, Der leere Staatsschatz forderte die