Geschichtliche Uebersicht.
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unbedingte Sparsamkeit, die der König mitbrachte, die Zerfahrenheit derVerwaltung, die ihm im höchsten Grade eigene Ordnungsliebe und Pünkt-lichkeit, der in französirtem Aufwand entartete Zustand der Gesellschaft,als wirksamstes Gegenmittel, die ihm gleichfalls eigene mit Rauheit ver-bundene Sittenstrenge, das in Prunk verweichlichte Heer, seine vorwie-gende Leidenschaft für einen straffen Kamasehendienst, und der Mangelan heimischen Kräften zur Hebung von Handel und Gewerbe seine sofürsorgliche Umsicht, welcher das Land unter anderem in den von ihm(1732) aufgenommenen, aus Salzburg vertriebenen achtzehnhundert Pro-testanten und aus Polen verwiesenen fiinfzehntausend Dissidenten nahezuebenso viele geschickte und fleissige Arbeiter verdankte. Für Kunst undWissenschaft freilich ging ihm jedes Verständnis ab. Ihre Hoffnungauf Unterstützung sah sich einstweilen auf den Kronprinzen verwiesen,der ihnen an seinem heiteren Hofe zu Rheinsberg eine Zufluchtstätteoffen hielt. — Im Grunde weit mehr nur Liebhaber von streng geschultenSoldaten, als gerade kriegerisch gesinnt, bezweckte der König nicht eigent-lich eine Vermehrung des Reichs, sondern liess es sich, einzig ausser demihm durch seine Theilnahme am nordischen Kriege (1720) zugestandenenBesitz von Stettin , Usedom, Wollin und Vorpommern, an der friedlichenErwerbung eines Theils von Geldern (1713) und Limburg (1714) genügen.Doch auch um so sicherer festigte er den Staat in seinen Grundlagen,ihn mit einem kriegsbereiten Heer von siebenzigtausend Mann und einemSchatz von acht Millionen in hoher Blüthe hinterlassend.
So war denn Friedrich IT. (1740—1786) ein Boden bereitet, aufdem dieser sich sofort zu bethätigen vermochte. Und wie entscheidendzeigte nun er sich nicht gleich in den schlesischen Kriegen (bis 1742;1744—1745), dann in vollendeter Heldengrösse im siebenjährigen Kriege(1756—1763), und wie nicht auf allen Gebieten der Verwaltung als Be-förderer, wie des Guten und bloss Nützlichen, so auch des Schönen inWissenschaft und Kunst, dies Alles mit aufgeklärtem Blicke durchgeisti-gend. Freilich blieb auch er nicht frei von mancherlei Schwächen undIrrthiimern. Obschon in sich die Eigenschaften eines gewaltigen Mehrerdes Reichs mit denen eines erhabenen Herrschers und eines tiefeindringen-den Weisen zu seltenem Einklänge vereinigend, vermochte er doch we-der von einem oft eigensinnigen Beharren in vorgefassten Meinungenäbzustehen, noch für die wahrhaft höhere geistige Kraft und Befähi-gung deutschen Wesens ein tieferes Verständniss zu gewinnen. Vonv ornherein die seinem geistigen Schwunge mehr zusagende Schärfe undFeinheit der französischen Ausdrucksweise erwählend, wie überhaupt dasfranzösische Wesen dem heimischen weit vorziehend, gelangte denn diev °n seinem Vater kaum zurückgedrängte allgemeine Französirung, wenna uch gegenüber der heimischen wissenschaftlichen Erhebung ebenWei ss, KoBtümkunde. III. 75