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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1186
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1186 l'V* Das Kostüm yom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

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nur als Verkehrsform, zu voller Herrschaft. Preussen aber als einStaat vierten Ranges ihm überkommen, ging auf Friedrich Wilhelm II. als eine Macht ersten Ranges über, v

Begabt mit allen Eigenschaften eines trefflichen Herrschers, auchallseitig das Besäte wollend, zeichnete Friedrich Wilhelm II. (1786 bis1797) noch besonders aus, dass er zu Gunsten deutscher Art dem fran­ zösischen Wesen nachdrücklich entgegentrat, die bei der Regie angestell-ten französischen Beamten entfernte, und vor allem die Akademie derWissenschaften von dem sie durchaus beherrschenden französischen Geiste befreite. Aber nur um so bedauerlicher war es, dass er sich vonder jeder Aufklärung feindlichen Partei völlig einnehmen Hess und, vonseinem Wege abschwenkend, überdies eine Anzahl von Günstlingen erzog)die, einzig ihren Vortheil verfolgend, seiner an sich zur Sinnlichkeitscharf hinneigenden Natur durch Wiederbelebung eines verschwendrischenMaitressenwesens schmeichelte. Denn wie er nun einerseits durch Unter-drückung der freien Meinungsäusserung und durch sein Religionsedict gegendie kirchliche Lehrfreiheit (1788) den Schwung hemmte; anderseits durchsein sittliches Verhalten die Gesellschaft im Allgemeinen zu einem ähn-lichen Treiben veranlasste, verlor damit auch, bei immer rascherer Ver-minderung des Staatsschatzes, die Verwaltung im Ganzen zunehmend anOrdnung und Festigkeit. Doch war das Glück dem Könige immerhingünstig. Nicht allein dass es ihm, bei seiner Neigung stets den Vermitt-ler zu spielen gelang, den Aufstand in Holland selbst ohne Blutvergiessenzu heben (1787), fielen dem Staate (1791) ganz Ansbach und Bayreuth ,und durch die Theilungen Polens (1793; 1795) der grösste Theil vonGross-Polen, nebst Thorn , Danzig und Warschau zu. Einzig der miss-glückte Zug, welchen er in Verbindung mit Oestreich (1792) gegenFrankreich unternahm, der ihn schliesslich nöthigte (1796) seine Länder jen-seits des Rheins unter Vorbehalt einer Entschädigung an Frankreich abzu-treten, traf das Land wohl empfindlich, doch auch vorerst noch nicht sofühlbar, um es gerade zu erschüttern. Indessen war der Keim hiezu aller-dings erzeugt; und auch sein Wachsen nun um so bedrohlicher, als beimAbleben des Königs (1797) nicht nur die innere und äussere Verwaltunghaltungslos darnieder lag, vielmehr auch eine Staatsschuld von zwei undzwanzig Millionen zu tilgen war.

Dessen ungeachtet sollte es dem hellen Blicke, der besonnenen That-kraft, dem festen Willen und der strengen Maasshaltigkeit FriedrichWilhelms III. gelingen, die Verhältnisse zu klären, zu ordnen, und durcheine bewundernswerthe Sparsamkeit wiederum zu festigen. Gab erso, unter weiser Zurückhaltung von jeder Mitbetheiligung an den aus-wärtigen Bewegungen dem Staate das Verlorene zurück, ausserdem för-dernd und ergänzend, sicherte ihm sowohl dies, als auch insbesondere