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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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Geschichtliche Uebersicht.

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form im Ganzen noch mehr ein Gepräge von Sittsamkeit, wenngleichimmer nur äusserlich, auf den Schein hin bewahrten.

In das von der heimischen Ueberlieferung bereits in so weit abge-artete Wesen, griff die französische Umwälzung alsbald nach ihrem Aus-bruche (1792) gleich einer Sturmfluth ein. Mit der durch die Häupterder Revolution sofort vollzogenen Eroberung von ganz Nizza und Sa-voyen , sammt der in kurzem Verlauf (1796—1802) erfolgenden Besitz-ergreifung von Oberitalien, Rom und Neapel , nebst der gleich-zeitigen Umwandlung dieser Gebiete zu fünf Republiken, wurde demletzten Reste italischer Volksthiimlichkeit nun auch in den mittleren Klassender Stab für immer gebrochen. Der damit verbundene Wechsel hinsichtlicheinzelner Gebiete, deren Zurückgabe und Wiederbesetzung, wie dies Rom und Neapel erfuhren, wobei die aufgelöste Republik Venedig (1797)an Oestreich kam, trag dann noch insbesondere bei die inneren Zuständeüberhaupt jedes eigenen Halts zu berauben. Und eben dies zu der schonso weit vorgeschrittenen Französirung öffnete dieser den weitesten Spiel-raum, was denn, zumal bei der Ueberstürzung in der die Dinge vor sichgingen, das gesellschaftliche Verhalten noch in weiterem entarten liess,ja dergestalt, dass es dem in Frankreich herrschenden nicht nur völliggleich kam, vielmehr mancherseits gar überbot. Es betraf dies auchferner hauptsächlich das Verhältniss der Geschlechter zu einander, dasfortan, vor allem in den Städten, doch auch von dort aus bald weitergreifend, in Sittenlosigkeit versumpfte, ohne auch nur noch den Scheinzu wahren. — Dass Bonaparte dann (1805) Italien zu einem König-reich umsdhuf, sich zu dessen König erklärte, seinen Stiefsohn Beau-harnais zum Vicekönig und Nachfolger ernannte, dies und insbesonderedie erfolgenden Oberherrschaften des Bruders und Schwagers Napo-leons , Josephs und Murats , im Verein mit den Einverleibungen derbisher noch getrennten Gebiete (1807—1810), musste denn durch die da-mit verknüpfte unmittelbare Uebertragung französischer Formen undEinrichtungen der weiteren Verbreitung und Festigung französischen Wesens wohl noch eigens zu Gute kommen. Allerdings war dies auchder Fall, so dass seitdem die Zerfahrenheit in Lebensweise, Sitte undLebensform selbst bis in die untern Stände drang, ja von diesen sichzum Theil auch auf die Landbevölkerung erstreckte; doch führte es nunauch anderseits, vornämlich durch die damit verbundene heillose Be-amtenwirthschaft, ganz ähnlich wiederum wie in der Schweiz , zu stei-gender Unzufriedenheit bis zu heftigem Widerspruch. Dennoch gelanges dem Vicekönig Italien (1814) gegen Oestreich und Murat , der alsKönig von Neapel sich gegen Napoleon wendete, kräftig zu vertheidigen.Indessen der Sturz des letzteren machte dem Königthum hier ein Ende.Beginnend mit der Entsetzung Murats, wurde durch die verbündeten