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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1198
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1198 IV. Das Kostüm Tom Beginn des IS. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

Mächte die alte Ordnung mindestens zum grössten Theil wiederherge-stellt, damit jedoch auch die Umkehr zu den früheren Zuständen ge-wissermassen angebahnt, was denn freilich manche Wünsche nach Ver-besserungen laut werden liess, die Oestreich nun aber sehr bald unter-drückte.

Polen war auf einen Punkt gekommen, von wo aus es sich selbetvernichten musste, wie staatlich so auch volksthümlich. Im Innern durchden von August II. (bis 1733) beförderten Prachtaufwand in Lebens-gewohnheit, Sitte untl Wohlstand nach allen Seiten hin tiefst geschädigt,von Aussen durch den schwedischen Krieg scharf in Anspruch genommen,musste es sich nach dem Siege bei Riga und der Einnahme Warschaus durch Karl XII. , dessen Wünschen fast willenlos fügen, und auf demReichstage (1704) seinen Günstling, den Woiwoden Stanislaus Leszinski ,an Stelle des entsetzten Augusts als König anerkennen. Gewonnen aberward damit nichts. Der daraus hervorgehende Kampf beider (Gegen-)Könige, der nach der Schlacht bei Pultava (1709) überdies mit derWiederkehr Augusts endete, trug eigens vielmehr dazu bei die sich be-feindenden Adelsparteien in noch weiterem zu zerklüften, gegen einandernoch heftiger aufzuregen. Unter stets wachsender Nachahmung desschwelgerischen Prunks des Hofs und dem dadurch beschleunigten Ver-fall des Besitzthums, vornämlich des Adels, liess es dieser durch seinebeständigen gegenseitigen Befehdungen zu keiner gedeihlichen Ruhe kom-men, während ausserdem die Jesuiten das Ihrige thaten den Hass derKatholischen gegen alle Nichtkatholischen bis zu den gewaltsamsten,selbst blutigen Ausbrüchen zu entflammen.

Zu allendem führte der Tod des Königs (1733) und der sofortigeVersuch Stanislaus Leszinskis sich, nunmehr mit Hülfe Frankreichs ,gegen August 111. (17331763) der Herrschaft zu bemächtigen, zu nochweiteren Wirrnissen. Doch auch dass es August III. gelang sich seinesGegners,zu erwehren und als König zu behaupten, konnte bei seinerEigenheit dem innern Zustande gerade am wenigsten aufhelfen, ja dieWirren nur vermehren. Um vieles sinnlicher, schwelgerischer und prunk-süchtiger als August II., auch weder kraftvoll genug noch ernstlich ge-willt den unaufhörlichen Unruhen der Adelsparteien zu begegnen, mithinden schon so verderblichen Aufwand, Schwelgerei und Entsittlichung,wie die staatliche Zerrüttung in allen Zweigen der Verwaltung, nochgenährt durch die fortgesetzte Verfolgung aller Nichtkatholischen, imhöchsten Grade begünstigend, sank unter ihm das Reich, auch nachAussen zu einer Schwäche herab, welche es den Nachbarstaaten, wie vorallem Russland und Preussen, zu einem Spielball werden liess.

Da August III. starb (1763) und, bei solchen Zuständen, von denauswärtigen Fürsten es auch nicht einer der. Mühe werth erachtete sich