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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1200 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

-y'elf Jahren (bis 1714) zu einer des neuen Zustands durchaus würdigenResidenz, zum festen Mittel- und Ausgangspunkt der so angebahntenKultur überhaupt. Auch während der Kriege, ungeachtet ihrer oft dro-henden Wechselfälle, eine abermalige Reise (1716) durch Deutschland ,Holland und Frankreich nicht scheuend, um seinen Gesichtskreis nochzu erweitern, blieb er selbst stets der Verbesserer seiner Einrichtungenund Anordnungen, solche namentlich dann, nachdem er bei seiner Zurück-kunft die inzwischen durch seinen bildungsunfähigen Sohn angestiftetenUnruhen und Wirrnisse beschwichtigt hatte, zu Fortbestände befestigend.Gleich kraftvoll als Kriegsheld, erwarb er dem Reiche zu allen dem beiAbschluss des nordischen Kriegs (1721) die gesammten (schwedischen)Ostseeprovinzen nebst einem grossen Theil von Finland, mithin das we-sentliche Mittel zu rascher Hebung des Seehandels, dann in den Kriegenmit Persien (1722) und dem osmanischen Reich (1723, 1724) nicht min-der bedeutende Vortheile, besonders für den Landhandel.

Wohl war der Staat, als Peter I. inmitten der Fortführung seinergewaltigen Aufgabe starb (1725) dem westlichen Staatensystem um soviel näher gerückt. Doch was blieb nicht zu thun noch übrig, nur um dasbegonnene Werk vor einem Rückgang dauernd zu wahren. Da wares denn immerhin ein Glück, dass aus den Wirren um die Erbfolge desCzaren zweite Gemahlin, Catharina, durch Menzicoffs kluge Vormass-nahmen, als die Thronerbin hervorging, und diese selber die Leitung desStaats ihrem Günstling anheimstellte. Allerdings strebte Menzicoff nunvor allem seiner Ehrsucht zu genügen, seiner Familie den Thron zu er-werben, doch hemmte dies die Weiterförderung der inneren Zustände iinGanzen nicht. Die Milde der Czarin übte auf alles einen begütigendenEinfluss. Sämmtliche Beamte wurden belassen, von den noch unvoll-endeten Einrichtungen mehre vollendet, ;so auch die von Peter gegrün-dete Akademie der Wissenschaften zur Bethätigung angeregt, und derHandel insbesondere durch weitere Vortheile im persischen Kriege, alsauch .durch ein Tractat mit China (1727) noch beträchtlicher gehoben.

So hatte das Reich in nur zwei Jahren, bis zum Tode Catharinas(1727), abermals einen Schritt vorwärts getlian, als es ihrem erst elf-jährigen Sohn Peter II. überkam. Zu jung, um selbstthätig eingreifenzu können, er daher einem eigenen Vormundschaftsrath untergestellt)wusste der Fürst Menzicoff als sein zukünftiger Schwiegervater sich derOberleitung zu bemächtigen, was nun immerhin dazu beitrug die Dingemindestens im Gang zu erhalten. Doch selbst auch dass Menzicoff' als-bald durch die Dolgorucki gestürtzt ward, und diese an seine Stelletraten, griff, da der Umstand sich lediglich auf Personenwechsel be-schränkte, in den Fortgang im Allgemeinen eben nicht geradezu störend

, ein. Solcher vielmehr erhielt jetzt nicht nur durch vermehrte Herbei-