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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1214 IV- Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die*Gegenwart.

den, also dass seine Verbreitung im Ganzen immerhin einigen Aufschuberfuhr. Doch war dies von nur sehr kurzer Dauer. Und ebenso raschwie jene sich der Bedenken darüber zu entschlagen wussten, trug der-selbe den vollständigen Sieg davon, ohne sich dann noch beirren zulassen. Nichts mehr half es dass fortgesetzt in Zeitschriften und Abhand-lungen Ernst und Satire dagegen ankämpften, dass in Paris allein hinter-einander Schriften erschienen, wie 1724 „Les paniers ou les vielles Pre-cieuses“. 1735 „ Entretien (Tun confesseur et d’une coquette sur les pa-niers ,“ so auch in demselben Jahr: „L’indignite et extravagance des pa-niers pour des femmes sensees et chretiennes 1727: Satire sur lescerceaux, paniers, criardes et manteaux volans des femmes, et sur leursautres ajustemens und dass selbst die Schaubühne, wie schon 1722 ineiner witzigen Komödie „ Les paniers ,r von Legrand , die Sache zu derihrigen machte. Der Rock fuhr unbekümmert fort stetig mehr Stoffzu beanspruchen, und das Fischbein, wie den Stahl, in stets steigendemGrad zu vertheuern. Nächstdem wechselte er selber sowohl in Formals Ausstattung, was nun zum Theil eigens beitrug seine Ungeheuerlich-keit noch auffälliger zu gestalten. Es bestand dies einerseits darin, dassman ihn, hauptsächlich anfänglich, gleich wie vor Alters mehrentheils,um ein kostbares Unterkleid zu zeigen, vorn herab öffnete (Fig. 393 b),anderseits aber in einem oft überreichen Besatz mit gardinenartigen Ge-hängen von dünnem Stoff mit Spitzenwerk, zierlich geordneten „volants uoder zahlreichen „ falbalas ,“ diese nicht selten mit goldnen oder silbernenFranzen: Eine Weise des Aufputzes, die sich allerdings fast einzig auffestliche Vorkommnisse beschränkte (Fig. 393 a). — Im übrigen war dieRobe stets mit dem Leibchen von gleichem Stoffe und wenn, wie seitMitte der zwanziger Jahre mit nur seltenen Ausnahmen, geschlossen, bis-weilen vorn herab mit einem Streifen von besonderer Garnirung, auchwohl bei ausnehmendem Aufwand von weissem Pelzwerk, und jenerseiner Länge nach mit reichem Knopf- oder Spangenwerk, scheinbar wiezum Schliessen, besetzt.

Das Leibchen selbst („ corsage ") änderte sich sehr wenig, was,zumal bei seiner engstgespannten Schnürung des (Unter-) Corset, dasWidernatürliche des kleidlichen Verhältnisses zwischen Ober- und Unter-körper um so höher steigerte. Im Ganzen bewahrte das Leibchen alssolches mit seiner Enge sowohl seine sich gegen die Hüften, insbesonderevom und rücklings scharf zuspitzende Verjüngung, als auch den vorwie-gend geraden Halsausschnitt und die Halbermel mit dem faltig frei heraus-hängenden Weisszeug nebst Spitzenbesatz durchaus. Abgesehen voneinem, doch auch nur leichten Wechsel hinsichtlich der verzierenden Aus-stattung, wie namentlich der Halbermel durch Bänder, Schleifen, Falbalas,und des senkrechten Busensaums durch Schnüre, KnöpfchenRosetten