A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Weiber (1700 —1750). 1215
u. dergl., äusserte eine Wandlung sicli überhaupt nur insofern, als nachdem Tode Ludwigs XIV. der Halsausschnitt, nunmehr unter Besei-tigung der durch die Maintenon veranlassten hochaufgesteiften Pressungder Brust (S. 1014), wieder freier, tiefer herabrückte, mindestens bfs zurHälfte derselben. Gleiclimässig ward es üblich den Saum des Ausschnittsmit einem nur sehr schmalen gefältelten Yorstoss von weissen Spitzen,oder auch nur längs dem Rande mit einer Borte zu schmücken, denHals aber gelegentlich mit einem kleinen dreieckigen Tu che („folletle“),von schwarzer oder farbiger Seide mit gestickten Rändern, lose zu nm-sehlcifen.
Fast gegensätzlich zu dieser Bekleidung kamen, bereits unter demHerzog von Orleans, neben ihr, gewissermassen als eine weitere Aus-gestaltung der seit länger bestehenden leichteren Um- und Ueber würfe(S. 1015), mehre eigene Ueberkleider von gleichfalls freierer Durch-bildung auf. Es waren dies, vorzüglich für den Sommer bestimmt, voll-ständige weitfaltige Roben ohne Taille, die ungegürtet, nur am Halsegeschlossen getragen wurden, also dass sie den Körper (über Reifrockund Leibchen hinweg) in völlig freiem Fluss umgaben, mitunter rücklingsvon Schulter zu Schulter zu mehren Langfalten zusammen gefasst; fernerkürzere, ebenfalls taillelose Ueberziehkleider („ contouches“), gewöhnlichnur weniges über die Knie reichend, mit Ermeln, mantelartig, vorne offen,zum Schlicssen vor der Brust mit einem oder mehren Bändchen; undandere, die zum Theil mehr den seitherigen Umhängen, den „mantilles“u. s. w., theils den eigentlichen (Rücken-) Mänteln, mit und ohne Ermel,entsprachen.
Unter den zumeist begehrten Stoff erspielten, neben buntgemuster-ter Halbseide, Seide und Atlas, wi e „pros de Naples“ oder ..gros de Tours,“eigentliche Hauptrollen,, besonders für Robe und Leibchen reich, meistgrossblumig gemusterter „ brocart “ oder „ drap d’or “ und „drap d’argent ,“und für die Uebergewänder, die „ mantilles “ u. s. w., eine Art von leich-tem Sammt oder „salin ecarlate.“ Zudem war es bis gegen Ende derzwanziger Jahre sehr beliebt die „ mantilles “ mit Schnürchen von Goldoder goldnen Quasten („ glands “) zu verbrämen.
Für die Anordnung des Haars, des Eigenhaars und der Perrücke,wurde das Aufgeben der „Fontange“ (seit 1714) entscheidend (S. 1211).Mit dem Verschwinden dieses hohen Aufputzes sank die Frisur im Gan-zen immer allgemeiner tiefer 'herab, während sie selbst die Durchbildungerhielt von einer gleichsam wirren Lockenfülle, entweder nur einfachrings um den Kopf oder, jedoch seltener, hinterwärts mit mehren längerenStrehnen (Fig. 393 a), im übrigen durchaus gepudert, und theils so be-lassen, theils mit kleinem Putzwerk besteckt oder verpllochten. Zuletzterem zählten mehrfach, wie schon seither, farbige Bänder, doch nun