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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1216 IV.

Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

häufiger in Form von Schleifen, Hörnchen („ comets “), Windmühlenfliigcln(„moullinets “), wie auch eigene Büschel („ pompons “), und, ausser Schnü-ren von Perlen, gefassten Edelsteinen, als fortan sehr beliebt ßesteck-nadeln mit Blumen, Schmetterlingen u. A. von ebenfalls bunten Steinenin zierlicher Fassung; nächstdem aber, wenn schon kaum vor Beginnder vierziger Jahre, sehr kleine flache Häubchen von Weisszeug, knappden Oberkopf deckend (a touvans) längs den Rändern leicht garnirt,bisweilen mit flatternden Bindebändern („ barbes “), damit man sich ver-schiedentlich schmückte, je nach ihrer Anordnung im Einzelnen „en dor-mease, au desespoir, en bagnolette , en papillon , en equivoque u. s. f.

Als Fuss bekleid un g erhielt sich der Schuh von feinem Leder,Seide oder Atlas, einfarbig, auch bunt bestickt, bebändert oder beschnallt,mit seinem rothen Absatz noch geraume Zeit unverändert. Ailmälig in-dessen zog er sich, unter scharfer Zuspitzung, von dem Spann aus der-art zusammen, dass er, etwa seit den vierziger Jahren, nur noch denäussersten Rand der Sohle und die Zehenspitzen umgab. So auch währteder Ueberschuh fort, vorerst noch vorwiegend in der Gestalt nureiner derben Sohle mit Seitenlaschen und Spannverband. Noch sonstaber veranlasste das Verschwinden der Fontange, obschon vorübergehend,dass Damen von kleinem Wüchse, um den dadurch herbeigeführten Ver-lust an Länge zu ersetzen, ihre Zuflucht wiederum zu den Stelzen-schuhen („ patins “) von fünf bis zehn Zoll Höhe nahmen, was denDichter Amfrie de Chaulieu (gest. 1720) zu folgenden Versen anregte:

„Paris cede ä la mode et change ses paruresCe peuple iniitatevgr et singe de la cour,

A commence depuis un jourD'humilier enfin Vorgueil de ses coiffures:

Mainte courte beaute s’en plaint, gronde et tempete,

Et, pour se rallonger, Consultant les destins,

Apprend d’eux qu'on retrouve, en haussant ses patins,

La taille qne l’on perd en abaissant sa tete.

Voilä le changement extremeQui met en mouoement nos femmes de Paris:

Pour la coiffure des maris,

Elle est toujour la merne.“

Auch der Aufwand als solcher verminderte sich nicht, ja erfuhrin mancher Hinsicht, wie durch öfteren Wechsel der Einzelnen, selbst nocheine Steigerung. So vorzüglich beim weiblichen Geschlechte fortgesetztdurch die Maitressen des Königs, wie dann ganz besonders durch dieMadame de Pompadour (seit 1745). Sie mehr als irgend eine ihrerVorgängerinnen wie in Allem, so auch im Punkte der Toilette beständig