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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1218
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1218 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

über hinaus. Indessen wie das gesellschaftliche Verhalten im Ganzen,unter stetigem Vorgänge des Hofs, sich bis dahin gestaltete, wie es ineben dieser verderblichen Richtung sich bis zum äussersten fortentfaltete,nun anderseits aber aus der Mitte der Gesellschaft der Widerspruch sichdagegen erhob, und dieser, genährt und geleitet vor allem durch die vonder Wissenschaft entzündete Fackel des Verstandes zum Naturgcmässcrenhindrängte, auch bei der Geistlichkeit und dem Adel selbst ein Wider-stand gegen das Bestehende sich festigte, — so auch bestimmte dannwiederum allmälig dies die kleidliche Erscheinung als solche. Doch ebenauch nicht eher bis dass diese Strömung ihr eigenes Bett gewonnenhatte, vermochte sie-sich dem bisher gewohnten gemeinsamen Stromegegenüber freier zu bewegen. Noch bis in die siebenziger Jahre warsie von diesem abhängig, wenn auch inzwischen sich allerdings schonmehrfach, wie namentlich von Aussen her verstärkend: Für alle Wand-lungen der Bekleidung blieb bis dahin noch fast lediglich der Hof maass-gebend, eben nur, dass die Gegenpartei bereits sich mancherlei ihremWesen zusagende Besonderheiten, so hauptsächlich von der an sichzwangloseren Bekleidungsweise der Engländer aneignete. Seit dem Endeder siebenziger Jahre hingegen gewann diese Partei zugleich mit dervon ihr verfolgten freigeistigen Richtung zunehmend an Uebergewicht.Immerhin aber suchte der Hof seinen Vorrang zu behaupten. So dennbegegneten sich zwei Strömungen, was mithin eine Ausgleichung nichtnur ungemein erschwerte, ja solche überhaupt kaum eher zuliess, bisdass sie ineinanderflutheten. Die Folge war ein von beiden Seiten Hin-über- und Herüberschwanken, ein gegenseitiges Entlehnen und wiederumje eigenes Umgestalten des Entlehnten, was, wie es denn nicht anderssein konnte, hier und dort zur Herausbildung von tlieils ebenso natur-gemässeren Gestaltungen, als theils dem gerade entgegengesetzten launen-haften Unformen führte.

Die Männer insbesondere Hessen sich überhaupt nur langsam, kaumschon vor Ablauf der fünfziger Jahre zu Neuerungen herbei; auch be-schränkten solche mindestens noch bis zu Ende der siebenziger Jahreauf einen an sich nur geringen Wechsel fast ausschliesslich der Beklei-dung des Oberkörpers.

Es betraf dies Rock und Weste zugleich, und äusserte sich, wohlnach englischem Vorgänge, wesentlich nur in einer Verminderung sowohldes Stoffs als der Ausstattung. Beide Kleider zogen sich im Verhältniszu dem ,.habit ä la franfaise,“ welches indessen als höfische Trachtbis in die achtziger Jahre fortdauerte, zu mehrem Anschluss enger zu-sammen (vergl. Fig. 394).

Der Rock selbst, in solcher Beschaffenheit wohl nach der Benennungdes englischen Reitrocks frock“) nun als „ fraque“ bezeichnet, erhielt