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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1221
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Männer (17501790). 1221

Die Weste, sofern sie eben nicht mit dem habit ä la francaiseunverändert fortbestand, verkürzte sich gemeiniglich bis zum Unterleib,mitunter auch höher hinauf, ihren Schmuck, ganz ähnlich wie der fraqueauf eine Randfassung beschränkend, und sich, wiederum ähnlich wiejener, mehrfach zu schmäleren oder breiteren Brustüberschlägen er-weiternd (Fig. 394. Fig. 395). Bei solcher Gestaltung ward es im Ver-lauf der achtziger Jahre, mit aus Sparsamkeitsrücksicht üblich, sie ohneErmel zu belassen und das Rückenstück aus billigerem Stoffe, meistderber Leinewand zu beschaffen. Als Brustschmuck setzte sich dergekräuselte ,.jabot von feinem Weisszeuge, und darüber das Hals-tuch fort. Doch ward der ,Jabot, damit auch die gefältelte man -chette zunehmend schmäler und kürzer beliebt, das Halstuch indessenhäufiger nun mit Einschlag seiner Enden, gerade gegensätzlich dazu, breit-bauschig lose umgeknotet.

Hinsichtlich der Stoffe und Farben, bewahrten die seither ge-bräuchlichen ihre Geltung hauptsächlich nur noch für das habit ä lafrancaise. Für denfraque und die gekürzte Schossweste (gilet)wurden minder reiche Stoffe verwendet, namentlichbrocard , drap d'orund drap dargeni kaum in Anspruch genommen. Hierfür erhieltenden Vorzug, nächst Seide (satin ) und Halbseide (drap de soie),leichterer Sammet , meist einfarbig oder eintönig gemustert, Seidenplüsch( pluche de soie) und verschiedcntliclies Wollentuch (drap , toile, cal-mande u. A.) Als Muster waren vor allem gesucht, besonders wäh-rend der siebenziger Jahre, zumal für den vorn ausgeschnittenenfraque,engst übereinander laufende vielfachst aus- und eingebogene fadenartigeLinien (vermicefce), und, zumal für die Weste, zahlreiche Sternchen,Kreuzchen, Pünktchen u. dergl. (pique) ; zudem, für beide Stückegleichmässig, eine senkrechte oder schräge Streifung (cannele), vor-züglich in Rosa und Blau, wie auch in Weiss und Grün zu gelbemUnterfutter. Auch fand zu eben der Zeit für die Weste ein eigenergestrickter Stoff (tricot chine) grossen Beifall. Die Färbung alssolche, wie auch in Betreff der Farbenzusammenstellung, bewegtesich im Ganzen noch ziemlich willkürlich und bunt. Eben noch ohnefestere Maassgabe wechselte erstere in nahezu allen Abstufungen vonBlau , Roth, Violet, Gelb, Grün, Braun, Grau und Schwarz, und letzterein Bezug auf das einzelne Kleidungsstück, auf Rock und Weste, ja meistdergestalt, dass Oberzeug und Futterstoff' durchaus entgegengesetzteFarben zeigten, wie Weiss zu Grün, Braun zu Weiss , Blau zu Gelb,Grün oder Schwarz zu Roth u. s. f. Nächstdem aber erhielten nichtselten Weste und Oberschenkelhose mit dem Futter des Rocks gleicheFärbung. So mehrentheils bis in den Anfang der achtziger Jahre,wo nun bald durchweg gestreifte und punktirte Stoffe, diehabits de