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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1222 IV. Das Kostüm vom Beginn des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.

cannele undde drap mouchete, und dann, etwa seit 1788 einfachereFärbungen ohne Muster ziemlich allgemein wurden, während für dieredingote oder levite und den fraque ä langlais überhaupt fastausschliesslich nur einfarbiges (ungemustertes) Tuch, meist von dunklererTönung in Anwendung kam.

Die Kniehose ( culotte) und die Strumpfhosen (bas) er-fuhren kaum eine weitere Veränderung, als dass die erstere sich wiederumwie vordem über die Strumpfhose legte, «und bisweilen, zu festeremAnschlüsse, aussen (unterhalb) einen Schlitz zum verknöpfen erhielt{Fig. 394; vergl. Fig. 389 ff., Fig. 222 a, Fig. 223). Da der zu ihreroberen Befestigung dienende hintere Schnallriemen ( gouitilre) oft nach-liess, ward er durch ein eigenes Sahlband ( ,.point-levis u ) ersetzt. DieStrumpfhosen pflegte man abermals gelegentlich mit zierlichen Zwickeln(ä coins) zu schmücken. Als Stoffe wurden für dieculotte,nächst geschorenem Seidenplüsch ( f pluche de soie) hauptsächlich Wolle(,,calmande u ), für die Strumpfhosen, neben Beibehalt der dafür seitlänger üblichen weissen Seide, seit Mitte der achtziger Jahre besonderstheils ein weisses, geripptes, theiis ein weiss und blau senkrecht oderschräg gestreiftes Zeug vorzugsweise beliebt. Die englischen Knöpf-gamaschen, (guetres), nach ihrer ersten Aufnahme (S. 1209) schonbald bei den Truppen allgemeiner eingeführt, fanden dadurch nun auchbei den übrigen Ständen allmälig weitere Verbreitung, obschon beidiesen vorerst immer noch mehr nur als ein Winterschutz. Dem ent-gegen, als Sommerkleidung, kamen zu Ende der achtziger Jahre gleich-weit bis auf die Fiisse reichende Hosen von leichtem Stoff, diepan-talons auf, doch seitens der gebildeteren Stände einstweilen noch lediglichwährend ihres ländlichen Aufenthalts, eben nur als einhabit ä laCampagne getragen.

Der Schuh bewahrte Form und Farbe, wie auch seine Geltung alsallein anstandsgemäss durchaus. Die Spannschnalle {boucle) ge-wann an Breite, so dass sie häufig den oberen Theil fast ganz bedeckte.Vorherrschend wie seither von Stahl in zierlichen Fagettirungen ge-schnitten, pflegten sie Vornehme und Reiche nicht selten von Silberoder Gold, bisweilen mit Steinen, ja selbst Diamanten besetzt, zu tragen. Der Stiefel blieb einzig zum Reiten bestimmt, und ward nun ge-meiniglich mit) enganschliessenden Stulpen von hellem, meist gelblichemLeder versehen {Fig. 395 a). '

In Betreff der Anordnung des Haars, des eigenen sowohl alsder Perrücke, welche, wenngleich in abnehmendem Grade immerhinfortbestand, fand ein weiterer Wechsel statt, der seinen Einfluss dannwiederum auf die Kopfbedeckung als solche ausübte. Schon baldnach der Mitte des Jahrhunderts eigneten sich die gebildeteren Stände,