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3 (1872) Geschichte der Tracht und des Geräthes vom 14ten Jahrhundert bis auf die Gegenwart / von Hermann Weiss
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1223
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A. Tracht. Frankreich . Kleidung der Männer (17501790). 1223

wesentlich nur mit Ausnahme der Geistlichkeit, einzelner Gelehrten undhochbejahrter Männer, welche bei der langen Perrücke beharrten, unterzunehmender Verwendung des Eigenhaares die niedrigere Frisur mit Haar-beutel an, sie im Ganzen noch ermässigend. In Folge dessen, wie ins-besondere des letzteren Umstands, wozu der Wiedergebrauch des Eigen-haares ohnehin auffordern musste, ward dieses, und so auch nun dadurchbedingt sein künstlicher Ersatz, zumeist von der Stirn aus jederseitsüber den Scheitel in leichter Wölbung zurückgestrichen, über den Ohrenringsherum zu einer schmalen Lockenwulst oder zwei, auch drei der-artigen (Neben-) Wülsten, und hinterwärts bis zum Haarbeutel ( cra-paud) glatt anliegend, geordnet (Fig. 894; Fig. 395); die Locken(boitclees), vorerst ziemlich locker, dann aber gleichförmig springfeder-artig fester gewunden (tire-bouchon), zum Theil auch, vorzüglich zuden Seiten, breiter ausladend ( en ailes de pigeon). Dabei zogenEinzelne es vor, das sonst zum Einschleifen in den Ilaarbeutcl bestimmteHaar breit zu verflechten und so nach oben, auf dem Scheitelten ca-dogan) zu befestigen. Es bildete dies aber wiederum gleichsam denUebergang zum Zopf (gwene), welcher dann seit Mitte der achtzigerJahre, doch nun zu jener Frisur erst als kurz und sehr stark, danachals lang und dünn, gemeiniglich oben mit einer Schleife geziert, denHaarbeutcl fast durchweg verdrängte. Nicht lange jedoch so wechselteauch die Frisur und zwar (etwa seit 1788 allgemeiner) insofern, als dasgesammte Haar, allein mit Ausschluss des Zopfes, sich zu einem einzigenlockeren sich nach oben verjüngenden Toupet (,, ä la grecque), mehren-theils von beträchtlicher Grösse erhob. Dies Alles erhielt die nöthigeFestigkeit durch Pommade und starke Einpuderung, welche letzterefortgesetzt vom Wohlanstande gefordert ward.

Demgegenüber nahm der Hut allmälig wiederum seine Stelle aufdem Kopfe ein, vorzüglich seit 1775, ausgenommen seitens der eigent-lichen Stutzer oder petits-Maitres, die allerdings noch längere Zeit fort-fuhren ihn im Arm oder in der Hand zu tragen (Fig. 394 b). Inso-weit der Hut nur eben dazu bestimmt war, bewahrte er denn auch dieihm hiefür bereits anfänglich zugeeignete Kleinheit und Gestaltung als drei-eckig (d trois cornes, triangulaire) undclaque. Sonst aber, zumAufsetzen bestimmt, ward er nun nicht allein demgemäss als drei- undzweikrempig vergrössert, sondern auch in Form und Ausstattung, theilsnach ausheimischem Vorgänge, vermannigfacht. Es kamen, abgesehendavon dass der Hut überhaupt gelegentlich einen Schmuck durch Um-fassungsschnüre mit goldenen Quasten ( bourdaloues) erhielt, nebenden bisherigen Formen, die an sich auch nicht ganz unverändert blieben,etwa seit 1780 diechapeaux Hollandais undanglo-americains , sowie died la jockei, d landromam, ä lindependant u. A., und seit