1224 IV- Das Kostüm vom Begiun des 18. Jahrhunderts bis auf die Gegenwart.
1789 insbesondere der Hut „en pain de Sucre“ auf. Sie insgesammthatten gesteifte Kappen und mehr oder minder breite Krempen: So die„Hollandais“ bei niedriger einfach walzenförmiger abgeflachter Kappe,eine schmälere Rundkrempe, zur Linken senkrecht aufgeklappt; die„ anglo-americains ,“ bei ziemlich hoher sich nach oben verjüngenderkurzweg geplatteter Kappe, eine zu beiden Seiten nach Hinten empor-gezogene kürzere Krempe; die „ä la jockei“ eine halbkugelige Kappemit knapper seitwärts aufstehender Krempe (Fig. 395 a); die „ä l'an-dromans “ zumeist eine walzenförmige abgeflachte Kappe mit breiterergerade abstehender Rundkrempe; und die „en pain de sucre,“ bei sehrhoher spitz zulaufender knapp geflachter Kappe, eine zu den Seiten inleichter Schwingung ab- und aufwärts gebogene Krempe. Audi gabes ausser noch anderen, mehr untergeordneteren Formen, kurzkappigeHüte mit schmiegsameren Krempen , letztere bisweilen rücklings mittelsteines Spannbandes aufrecht erhalten („en claban retrousse par derriere“Fig. 394 a).
Im Punkte des Aufwands an sich trat mit der Anneigung und Ver-breitung des ffraque u nebst kürzerer Schossweste, sowie überhaupt mitder Aufnahme von englischen Besonderheiten, bei deren grösserer Ein-fachheit, eine Verminderung ein, die sich dann noch dadurch mehr ver-allgemeinerte, dass allmälich auch in den höchsten Kreisen nichtWenige den alten Prunk heralstimmten, wie der König selbst, undfolgends auch der Herzog von Chartres , der nachherige Herzog von Or-leans „Üiqalite ,“ welcher, obschon allen Lastern und Schändliehkeitenfröhnend, sich, als Widersacher des Hofs, so gern den Anschein einesechten Volksfreundes gab. Im Uebrigen aber fand ein Aufwandbestrebenja noch immer Gelegenheit genug sich Genüge zu thun, so nicht allein ,in theuren Stoffen und einem häufigen Wechsel des Einzelnen, als auchbesonders in den mancherlei Nebendingen, den Ringen, Uhren sammt,,breloques ,“ Kniebändern, S ch uh schn al 1 en , Stöcken, Degen,Dosen, Handschuhen und dergl. m., wozu jetzt überdies, alsWinterschutz, ausnehmend grosse Muffen („ manchons“) von Pelzwerkkamen (Fig. 395 c). Auch ward es nahezu allgemein üblich zweiUhren vorn unter der Weste zu tragen, und deren Gehänge je zur Seitegleichmässig frei herabfallen zu lassen. —
Bei weitem nachhaltiger und entschiedener blieb dagegen vom Hofeaus die weibliche Bekleidung bestimmt, wie denn hauptsächlich zu-nächst noch durch Madame de Pompadour (bis 1764), hiernach durchdie Gräfin Dubarry , und folgends (seit 1775) durch die ebenso jugend-lich anmuthige als zierlich gefallsüchtige Marie Antoinette . Durch diePompadour im Aufwand von kostbaren Stoffen und reichster Aus-stattung nicht ohne Steigerung forterhalten, erhielt sie durch die in